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SPNV-Qualitätsbericht

Der Qualitätsbericht zum Schienenpersonennahverkehr in Nordrhein-Westfalen erscheint jedes Jahr. So lassen sich Qualitätsverbesserungen objektiv nachverfolgen.

Der SPNV-Qualitätsbericht NRW 2017

Jährlich wird gemessen, wie sich das Qualitätsniveau im Nahverkehr auf der Schiene entwickelt hat. Der Qualitätsbericht gibt Auskunft, ob definierte Standards – z. B. bei Service und Sicherheit – eingehalten wurden oder ob neu eingeführte Maßnahmen erfolgreich waren. Inhaltlich liegen ihm größtenteils objektiv messbare Daten zugrunde. Dazu zählen beispielsweise die Pünktlichkeit der Verkehrsmittel oder Zugausfälle. Diese Werte ergeben sich aus den Liefernachweisen der Eisenbahnverkehrsunternehmen. Seit 2009 weist der Bericht auch aus, wie es um die Leistungsfähigkeit der Eisenbahninfrastruktur in NRW steht.

 

Der aktuelle SPNV-Qualitätsbericht 2017 ist hier in Kurzfassung und Langfassung zum Download verfügbar.

 

 

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Ausgangslage

Mit der Aufstellung eines jährlichen SPNV-Qualitätsberichts sollen die qualitätsrelevanten Daten der SPNV-Aufgabenträger in NRW zusammengefasst dargestellt und ausgewertet werden. Der erste landesweite Qualitätsbericht beschreibt das Qualitätsniveau des Jahres 2004. Die bislang veröffentlichten SPNV-Qualitätsberichte stehen in der Rubrik News & Downloads im Downloadcenter unter Qualität, Sicherheit & Service zur Verfügung.

Der landesweite Qualitätsbericht beschränkt sich bei der vergleichenden Darstellung der Betriebsqualität notwendigerweise auf die Dokumentation von Pünktlichkeit und Zugausfällen, da die Datengrundlage in den einzelnen Räumen aufgrund unterschiedlicher Regelungen in den Verkehrsverträgen zwischen SPNV-Aufgabenträgern und den Eisenbahnverkehrsunternehmen sehr heterogen ist. Beispielsweise liegen die Toleranzwerte für die Pünktlichkeit je nach Verkehrsvertrag zwischen 0 und 5 Minuten. Seit dem Qualitätsbericht 2009 bleiben die vertraglich vereinbarten Toleranzzeiten unberücksichtigt. Stattdessen wird für alle Linien eine einheitliche Toleranzzeit von 3:59 Minuten angesetzt. Damit sind die Pünktlichkeitsquoten der einzelnen Linien miteinander vergleichbar.

  • Pünktlichkeit: Das Pünktlichkeitsniveau im NRW-Nahverkehr im Jahr 2017 hat sich im Vergleich zum Vorjahr verschlechtert.

    Die Pünktlichkeitsquote der RE-Linien ist von 84,0 % im Jahr 2016 auf 81,3 % im Jahr 2017 abgesunken. Besonders niedrig liegt weiterhin die Pünktlichkeitsquote der stark nachgefragten langlaufenden RE-Linien RE 5 Wesel – Koblenz (58,8 %) und RE 1 Aachen – Hamm (60,0 %). Deutliche Einbrüche der Pünktlichkeit verzeichnet der RE 6 Köln/Bonn Flughafen – Minden, dessen Quote von 81,5 % im Vorjahr auf 67,8 % zurückgegangen ist. Einzelne Linien wie die RE 9 Aachen – Siegen konnten ihre Ankunftspünktlichkeit verbessern.

    Rückläufig ist ebenfalls die Pünktlichkeitsquote der RB-Linien um 2,1 Prozentpunkte auf 87,2 %. Besonders verspätungsanfällig sind hier die RB-Linien RB 71 Bielefeld – Rahden (74,6 %), RB 94 Erndtebrück – Marburg (75,5 %), RB 26 Köln – Koblenz (77,1 %), RB 30 Bonn – Ahrbrück (78,0 %) und RB 48 Köln – Wuppertal (80,1 %). Im Gegenzug sind aber auch Linien mit hoher Pünktlichkeit (z.B. RB 96 Betzdorf – Neunkirchen – Dillenburg mit 99,1 %) anzutreffen.

    Die Pünktlichkeitsquote der S-Bahn-Linien (Rhein-Ruhr/Köln) hat sich geringfügig verschlechtert auf 90,9, wobei im Vorjahr noch 91,6 % gemessen wurden.

    Um detaillierte Aussagen über das Zustandekommen der Unpünktlichkeit zu treffen, wird – wie im Vorjahr – eine Auswertung der Pünktlichkeitsquoten einzelner Streckenabschnitte über feste Messpunkte herangezogen. Insbesondere bei langen Linienverläufen zeigen sich starke Schwankungen in der Pünktlichkeit. Gründe sind meist stark frequentierte Trassen, die Abhängigkeit von der Pünktlichkeit im Fernverkehr, Langsamfahrstellen aufgrund von Baustellen und Infrastrukturmängeln sowie externe Störungen wie z.B. Stellwerksausfall.
  • Zugausfall: Seit dem SPNV-Qualitätsbericht 2007 werden neben den nicht vorhersehbaren Zugausfällen auch die vorhersehbaren Zugausfälle dokumentiert. Diese Herangehensweise folgt der Auffassung, dass auch planmäßige Ausfälle (z. B. Schienenersatzverkehr wegen Bauarbeiten) zu Qualitätseinbußen führen (zusätzlicher Umstieg, verlängerte Fahrzeit, Komforteinbußen).

    Im Vergleich zum Vorjahr stellte sich die Ausfallquote bei den vorhersehbaren Zugausfällen im Jahr 2017 mit gut 2 % vergleichbar dem Vorjahr dar. Grund hierfür ist eine deutliche Zunahme der Bautätigkeiten. Durch notwendige Streckensperrungen oder die eingeschränkte Nutzungsmöglichkeit einzelner Gleise kam es vermehrt zu unvermeidbaren Zugausfällen. Stark betroffen sind weiterhin Verkehre in den Knoten Köln und Düsseldorf sowie auf der linken Rheinstrecke zwischen Köln und Bonn. Vollsperrungen über mehrere Wochen wie in Wuppertal oder zwischen Ottbergen und Göttingen erforderten entsprechende Ersatzverkehre.

    Die Quote der nicht vorhersehbaren Zugausfälle hat sich im Jahr 2017 im Vergleich zum Vorjahr moderat erhöht. Ein wesentlicher Grund für landesweit auftretende nicht vorhersehbare Zugausfälle ist ein kurzfristiger Mangel an Betriebspersonal, welcher im Jahresverlauf mehrere Verkehrsunternehmen betrifft.

Neben der Betriebsqualität wird im Qualitätsbericht auch die landesweite Infrastrukturqualität erfasst.

  • Schienennetz: Um eine umfassende Datengrundlage über die Leistungsfähigkeit der Eisenbahn-Infrastruktur in NRW zu erhalten, wird seit 2009 der Zustand des SPNV-Netzes anhand des „Verzeichnisses der örtlich zulässigen Geschwindigkeiten (VzG)“ sowie der „Verzeichnisse der Langsamfahrstellen (La-Verzeichnis)“ der Infrastrukturbetreiber analysiert. Seit 2010 sind die Ergebnisse im SPNV-Qualitätsbericht dokumentiert. Für das Jahr 2017 sind 55 Langsamfahrstellen mit einer Länge von ca. 66 km feststellbar, was vergleichbar den Werten der Vorjahre ist.
  • Verkehrsstationen: Neben dem Zustand des Schienennetzes ist im Jahr 2017 – wie in den Vorjahren auch – das Erscheinungsbild der Verkehrsstationen hinsichtlich der Kriterien Funktion, Sauberkeit und Graffiti erhoben und bewertet worden. Derzeit weisen 77 der 771 untersuchten Stationen ein nicht akzeptables Erscheinungsbild auf. Der Anteil dieser Stationen liegt mit rund 10% im Jahr 2017 geringfügig niedriger als im Vorjahr.

Weiterhin informiert der landesweite Qualitätsbericht über die in Ausschreibungsverfahren vergebenen SPNV-Netze in NRW und gibt weitere Einblicke zur Qualität im SPNV in NRW (z.B. Auswertungen der Schlichtungsstelle Nahverkehr zu eingegangenen Kundenbeschwerden, Kundenzufriedenheit im SPNV).

Akteure

Das Land NRW hat im Jahr 2004 die Erstellung eines jährlichen Qualitätsberichts für den SPNV in NRW initiiert und unterstützt seitdem die Erstellung der landesweiten Qualitätsberichte.

Seit 2011 ist das Kompetenzcenter ITF NRW, angesiedelt beim NWL am Standort Bielefeld, mit der Erstellung des SPNV-Qualitätsberichtes NRW betraut.

Die SPNV-Aufgabenträger VRR, NVR und NWL veröffentlichen für ihr Verbandsgebiet regionale Berichte zur SPNV-Qualität, die teilweise eine weitergehende Differenzierung aufweisen. Dabei handelt es sich beispielsweise um die Berücksichtigung "weicher" Kriterien, die durch „Profitester“ und Kundenzufriedenheitsuntersuchungen erhoben werden, die die Qualität der Fahrgastinformation, den Zustand der Fahrzeuge, das Zugbegleitpersonal und die Situation an den Bahnhöfen betreffen. Darüber hinaus erstellen VRR und NVR zur Qualität der SPNV-Stationen jährlich einen eigenständigen Stationsbericht.

Probleme und Aufgaben

NRW ist noch entfernt von zufriedenstellenden Pünktlichkeitswerten (Zielmarke: 95% und besser). Fest verankerte Qualitätsstandards der Verkehrsverträge, die Pönalen (Vertragsstrafen) bewehrt sind, haben in den vergangenen Jahren jedoch wesentlich dazu beigetragen, das Qualitätsniveau im SPNV zu steigern. Das lässt sich NRW-weit im Zusammenhang mit der Inbetriebnahme der im Wettbewerb vergebenen Linien und Teilnetze beobachten.

Darüber hinaus sind weitere maßgebliche Investitionen in die Schieneninfrastruktur notwendig, die durch den Mischbetrieb von Fern-, Nah- und Güterverkehr punktuelle Engpässe aufweist und so oftmals einem reibungslosen Betriebsablauf entgegensteht. Einen Beitrag zur Ermittlung von Mängeln in der Infrastruktur können der für das Jahr 2009 zum ersten Mal erarbeitete Netzzustandsbericht NRW sowie die in Folge veröffentlichten SPNV-Qualitätsberichte leisten. Durch die Infrastrukturmaßnahmen im Zuge der Einführung des Rhein-Ruhr-Express (RRX) wird eine deutliche Verbesserung des Betriebsablaufs auf der Achse Köln - Düsseldorf - Essen - Dortmund - Hamm erwartet.

Die Fortführung der Modernisierungsoffensive der Verkehrsstationen (MOF 2 und MOF 3 sowie die Modernisierungsmaßnahmen an den RRX-Außenästen) trägt dazu bei, die Stationsqualität flächendeckend zu steigern.

Auch ist auf Grundlage der linienspezifischen Ergebnisse der Qualitätsberichte die Disposition an den neuralgischen Knotenbahnhöfen durch die Infrastrukturbetreiber zu überprüfen, um beispielweise im Verspätungsfall auf klar definierte Regularien der Betriebsdurchführung zurückgreifen zu können.

Zur Verbesserung der Qualität im SPNV rückt der Abbau des zunehmenden Personalmangels im Fahrbetrieb immer stärker ins Blickfeld. So sind verstärkt auftretende, nicht vorhersehbare Zugausfälle festzustellen, die durch den Ausfall von Triebfahrzeugführern sowie Fahrdienstleitern bedingt sind. Weiterhin sind durch eine verlässliche und zeitgerechte Bereitstellung der Fahrzeuge Anfangsverspätungen, die sich im Fahrtverlauf aufaddieren können, vermeidbar. Der konsequente Einsatz spurtstarker Fahrzeuge mit ausreichenden Kapazitäten kann Verspätungen im Fahrtverlauf reduzieren.

Damit Fahrpläne in der Praxis einzuhalten sind, müssen ausreichende Pufferzeiten und erhöhte Fahrgastwechselzeiten auf stark frequentierten Streckenabschnitten berücksichtigt werden.

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