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Kompetenzcenter in NRW: Hintergründe

Die „Verbundidee“ hat sich zur Erfolgsvoraussetzung im öffentlichen Personennahverkehr entwickelt. Ihr Kerngedanke ist die Bündelung der unternehmensübergreifenden ÖPNV-Managementaufgaben (z. B. Entwicklung des gemeinschaftlichen Tarifs, Aufteilung der Fahrgeldeinnahmen aus dem gemeinschaftlichen Tarif, abgestimmter Marktauftritt des ÖPNV, Fahrgastinformation) in einer unternehmensneutralen regionalen Einheit, dem Verkehrsverbund.

Das Aufkommen neuer Technologien, die Veränderungen der Mobilitätsbedürfnisse der Bevölkerung in den vergangenen Jahren und eine veränderte Sicherheitslage stellen neue Anforderungen an den ÖPNV, die auf Grund ihres Raumbezugs oder ihrer Komplexität kaum mehr in einem regionalen Kontext zu lösen sind. Hier ist vielmehr eine Regionen übergreifende fachliche Koordination und Abstimmung aller in NRW beteiligten Gruppen erforderlich. Beispiele hierfür sind die Weiterentwicklung des Integralen Taktfahrplans NRW im Schienennahverkehr, das elektronische Fahrgeldmanagement (Electronic Ticketing), die landesweite Kommunikation und Kooperation in sicherheitsrelevanten Fragen, die Schaffung eines landesweiten Nahverkehrstarifs für Fahrten über die Verbundgrenzen hinweg oder der Aufbau einer landesweiten Fahrgastinformation per Telefon und Internet.

Zur Bearbeitung dieser Themenfelder kommt wiederum die „Verbundidee“ zum Tragen: fest definierte Managementaufgaben für ganz NRW werden an einer zentralen Stelle gebündelt. Diesem Gedanken folgend wurden für verschiedene Themenfelder des ÖPNV so genannte „Kompetenzcenter“ in NRW gebildet, die dann jeweils als landesweiter Koordinator, Motor und Dienstleister auftreten. Die Kompetenzcenter nutzen die vor Ort in den Verbundorganisationen oder bei Verkehrsunternehmen vielfach bereits vorhandene hohe Sachkompetenz in bestimmten Themenfeldern sowie die personellen und technischen Ressourcen. Bei Bedarf werden diese gezielt erweitert und anschließend der gesamten ÖPNV-Landschaft in NRW zur Verfügung gestellt.

Die Kompetenzcenter haben sich als wesentlicher Baustein der ÖPNV-Organisationsstruktur in NRW etabliert und als effiziente Grundlage für die landesweite Zusammenarbeit in überregionalen oder technisch anspruchsvollen Fragen der ÖPNV-Weiterentwicklung bewährt, ohne dass zusätzliche Organisationseinheiten geschaffen werden mussten. Für die zukunftsorientierte Weiterentwicklung des ÖPNV in NRW bietet der gewählte Ansatz folgende Vorteile:

  • kompetente Bearbeitung von Themenfeldern, wie sie ein regionaler Raum allein nicht bewerkstelligen könnte,
  • Kosteneffizienz durch Vermeidung unproduktiver Parallelarbeiten am gleichen Thema,
  • Weiterentwicklung des ÖPNV nach landesweit vereinbarten Maßstäben,
  • Förderung des Austauschs der Nahverkehrsbranche durch landesweite Zusammenarbeit in Einzelfragen („Lernen von den Besten!“).

Das Verkehrsministerium NRW fördert bzw. finanziert die Arbeiten der Kompetenzcenter (Personal- und Sachkosten) und wirkt in den landesweiten Abstimmungsgremien (Landesarbeitskreise, LAK), die zur Steuerung der Themenfelder der Kompetenzcenter eingerichtet sind, mit.

Mit Bildung der Kompetenzcenter setzt sich der in Nordrhein-Westfalen gewählte strategische Ansatz zur Regionalisierung der ÖPNV-Aufgabenträgerschaft auf die kommunale Ebene fort, ohne dass sich das Land seiner Verantwortung zur Weiterentwicklung und Finanzierung des ÖPNV entzieht. Vielmehr bietet der Ansatz „Primus inter pares“ eine enge Verzahnung der Player auf Augenhöhe und vermeidet „Sollbruchstellen“ des Organisationsmodells zwischen landesweiter Steuerungsebene und der regionalen Ebene.

Die Gründung weiterer Kompetenzcenter ist zurzeit nicht geplant. Veränderte Rahmenbedingungen (z. B. das Aufkommen neuer Technologien) können jedoch die Erweiterung vorhandener oder die Einrichtung zusätzlicher Kompetenzcenter durchaus sinnvoll werden lassen.

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