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Busse & Bahnen NRW

28.10.2013

Der Meister auf Ha(a)rmoniekurs – Guildo machte den Barrierefrei-Check in Düren

Wie erleben Menschen mit Behinderungen den ÖPNV in Düren? Entertainer und Sozialpädagoge Guildo Horn machte am 28. Oktober den Test. So versuchte er, im Rollstuhl eine Zugfahrt zu meistern und sich mit einer Simulationsbrille als Sehbehinderter zurechtzufinden. Begleitet wurde er dabei von Vertretern der Gemeinschaftskampagne „Busse & Bahnen NRW“, die die Aktion „Für mehr Miteinander in Bus und Bahn“ initiiert haben. Außerdem unterstützten Vertreter des Aachener Verkehrsverbundes, der Rurtalbahn, der Dürener Kreisbahn und Vertreter von Behindertenverbänden den Barrierefrei-Check.

Wie erleben Menschen mit Behinderungen den ÖPNV in Düren? Entertainer und Sozialpädagoge Guildo Horn machte am 28. Oktober den Test. So versuchte er, im Rollstuhl eine Zugfahrt zu meistern und sich mit einer Simulationsbrille als Sehbehinderter zurechtzufinden. Begleitet wurde er dabei von Vertretern der Gemeinschaftskampagne „Busse & Bahnen NRW“, die die Aktion „Für mehr Miteinander in Bus und Bahn“ initiiert haben. Außerdem unterstützten Vertreter des Aachener Verkehrsverbundes, der Rurtalbahn, der Dürener Kreisbahn und Vertreter von Behindertenverbänden den Barrierefrei-Check.

„Jetzt oder nie: Mehr Ha(a)rmonie. Das ist eine Aktion, die ich sehr gerne unterstütze. Wir können von Menschen mit Behinderungen viel lernen. Das zeigt sich gerade auch im öffentlichen Nahverkehr. Wenn wir hier aufeinander Rücksicht nehmen, profitieren alle davon,“ erklärte Guido Horn nach der gut zweistündigen Tour. „Wenn man als Geh- oder sehbehinderter Mensch unterwegs ist, geht alles sehr langsam. Man braucht Geduld und ist auf fremde Hilfe angewiesen.“, betonte der Entertainer, der sich als gelernter Diplompädagoge für die Inklusion und das selbstverständliche Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung einsetzt.

Der Nahverkehr ist für alle da. Jeder in Nordrhein-Westfalen soll mit dem ÖPNV schnell und sicher ans Ziel gelangen. Dies gilt insbesondere für Menschen mit Einschränkungen. Dazu zählen ältere Fahrgäste, deren Zahl im Zuge des demografischen Wandels stetig wächst und rund 2,5 Millionen Menschen mit Behinderungen, die den Nahverkehr regelmäßig nutzen. „Seit mehr als 15 Jahren machen wir den öffentlichen Nahverkehr Stück für Stück barrierefrei. Doch trotz aller baulichen und technischen Vorkehrungen geht es manchmal ohne gegenseitige Rücksichtnahme und menschliches Miteinander einfach nicht“, erklärte Hajo Kuhlisch, Referatsleiter im NRW-Verkehrsministerium.

Abschlussdiskussion im Berufsförderungswerk

Welche Maßnahmen für die barrierefreie Mobilität greifen bereits gut? Was ist noch zu tun? Im Anschluss an die Tour durch den ÖPNV in Düren fand im Berufsförderungswerk der Stadt eine Diskussion mit allen Beteiligten statt. Birgit Kalwitz (Kontaktperson des Landesverbands NRW der Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke e.V.), Elfriede Vieth (Seniorenunion und Seniorenrat Düren) und Jörg Conrad (erblindet und Kursteilnehmer im Berufsförderungswerk Düren) berichteten von ihren Erfahrungen in Bus und Bahn. Insgesamt zogen sie stellvertretend für die mobilitätseingeschränkten Fahrgäste in NRW eine positive Bilanz. Der Barrierefrei-Check deckte aber auch Stellen auf, bei denen Verbesserungen wünschenswert und notwendig sind. Joachim Sistenich (Geschäftsführer AVV), Herbert Häner (Geschäftsführer Rurtalbahn), Bernd Böhnke (Geschäftsführer DKB) und Hajo Kulisch vom NRW-Verkehrsministerium stellten Pläne und Projekte vor, die die Barrierefreiheit im Raum Düren weiter vorantreiben werden. Und überall dort, wo aufgrund baulicher Gegebenheiten oder fehlender finanzieller Mittel keine Verbesserungsmaßnahmen umgesetzt werden können, ist das Miteinander und das Verständnis zwischen den Fahrgästen gefragt.

 

Zitate

Guildo Horn

„Jetzt oder nie: Mehr Ha(a)rmonie. Das ist eine Aktion, die ich sehr gerne unterstütze. Wir können von Menschen mit Behinderungen viel lernen. Das zeigt sich gerade auch im öffentlichen Nahverkehr. Wenn wir hier aufeinander Rücksicht nehmen, profitieren alle davon. Wenn man als geh- oder sehbehinderter Mensch unterwegs ist, geht alles sehr langsam. Man braucht Geduld und ist auf fremde Hilfe angewiesen. Mein Rat an alle Fahrgäste lautet: Frisur egal, Respekt total! Sei nett zu deinen Mitfahrern, selbst wenn sie so aussehen wie ich!“

 

Hans-Joachim Sistenich, Geschäftsführer Aachener Verkehrsverbund

„Barrierefreiheit fängt für uns vor der Haustür an und hört am Zielpunkt auf – daran arbeiten wir. Und so sind wir sehr froh über die konstruktiven Impulse, die alle Beteiligten dieser Veranstaltung geäußert haben. Im AVV sind alle Haltepunkte mit Lageplänen ausgestattet, die die barrierefreien Haltestellen anzeigen. So kann schon vor Fahrtbeginn die Strecke gut geplant werden. Darüber hinaus gibt es die Pläne auch online. Hier gibt es einen Zusatzservice für Sehbehinderte: neben der Vorlesefunktion gibt es einen digitalen Fahrbegleiter, der sich für die Fahrt downloaden lässt.“

 

Dipl.-Ing. Bernd Böhnke, Geschäftsführer der Dürener Kreisbahn GmbH (DKB)

Unterwegs sein zu können und aus eigener Kraft von einem Ort zum anderen gelangen zu können, ist ein wesentliches Bedürfnis von älteren Menschen und Menschen mit Behinderung. Als Verkehrsunternehmen tragen wir unseren Teil zur Befriedigung dieses Bedürfnisses bei, beispielsweise in Form einer weitgehend barrierefreien Innenraumgestaltung unserer Busse und Ausstattung der Haltestellen. Dazu gehören u.a. eine geeignete Sitzhöhe der behinderten-gerechten Sitzplätze, um das Aufstehen zu erleichtern, Rollstuhlstellflächen, zusätzliche Halte-griffe und Haltewunschknöpfe in entsprechender Höhe sowie eine Rampe an der Mitteltür des Busses - und nicht zu vergessen die neueste Niederflurtechnik. An den Haltestellen geben taktile Leitsysteme, eine Service-Hotline in Brailleschrift sowie eine Anhebung des Bordsteinniveaus eine zusätzliche Hilfestellung beim Zustieg in den Bus.

Wir stellen immer wieder fest, dass barrierefreier Zugang zum Öffentlichen Personen-nahverkehr nicht nur ein deutlicher Profit für ältere und mobilitätsbeschränkte Personen ist. Nein, er erhöht auch die Nutzungsqualität des ÖPNVs für alle anderen Fahrgäste – denn auch ein Kinderwagen, schwere Einkäufe oder ein gebrochenes Bein gestalten entsprechende Zugangs- und Einstiegsmöglichkeiten oftmals beschwerlich.

 

Hajo Kuhlisch, Referatsleiter im NRW-Verkehrsministerium

„Barrierefreiheit fängt im Kopf an. Baulich ist zwar schon viel passiert, aber alles barrierefrei auszubauen, wird trotzdem noch Jahre erfordern. Bis dahin heißt es, dran bleiben, ständig lernen, was man noch besser machen kann und aufeinander Rücksicht nehmen.“

 

Herbert Häner, Geschäftsführer Rurtalbahn

„Wir nehmen die Anregungen unserer Fahrgäste sehr ernst und versuchen, so viel wie möglich davon umzusetzen. Aber leider sind die Zulassungsprozesse für Fahrzeuge so komplex, dass nicht immer alles möglich ist. Dennoch möchte ich jeden ermutigen, uns immer wieder Verbesserungsvorschläge mitzuteilen.“

 

Elfriede Vieth, Seniorenunion und Seniorenrat Düren

„Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die anderen Fahrgäste sehr rücksichtsvoll sind. Gerade auch die Jugendlichen sind viel hilfsbereiter, als ihr Ruf.“

 

Birgit Kalwitz, Kontaktperson des Landesverbands NRW der Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke e.V.

„Die neue Rurtalbahn bietet für Rollstuhlfahrer viele Vorteile: angefangen von der mobilen Einstiegsrampe bis zu den neuen Notruftasten.“

Jörg Conrad, erblindet und Kursteilnehmer im Berufsförderungswerk Düren
„Die meisten Menschen sind sehr hilfsbereit. Häufig wollen sie mir direkt helfen und fassen mich an, ohne vorher Bescheid zu sagen. Das ist nicht immer angenehm. Besser wäre es, vorher kurz zu Fragen, ob und wie Hilfe gewünscht ist.“

Meike Berger, Berufsförderungswerk Düren

„Die höchste Herausforderung für Menschen mit Sehbehinderung ist das Reisen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Hier verändert sich die Umwelt permanent und die Menschen müssen sich auf immer neue Situationen einstellen. Auch im Zusammenspiel mit den manchmal sehr gestressten Mitmenschen ist das nicht immer einfach.“

 

Pressekontakt

Holger Klein
Kompetenzcenter Marketing NRW
bei der Verkehrsverbund Rhein-Sieg GmbH
Glockengasse 37-39
50667 Köln

Tel.: 0221/20 808 47
Fax: 0221/20 808 88 47
e-Mail: holger.klein@vrsinfo.de

 

Zahlen und Fakten:

Busse & Bahnen NRW:

„Busse & Bahnen NRW“ ist eine Gemeinschaftskampagne des NRW-Verkehrsministeriums, der Zweckverbände, Verkehrsverbünde und Verkehrsgemeinschaften in Nordrhein-Westfalen. Mit dem Ziel, das ÖPNV-Angebot in Nordrhein-Westfalen weiter zu verbessern, setzen die Akteure gemeinsam Tarif-, Marketing- und Kommunikationsprojekte um. Federführende Geschäftsstelle für die Aufgaben ist das Kompetenzcenter Marketing NRW.

Mit der Aktion „Für mehr Miteinander in Bus und Bahn“ auf die Belange mobilitätseingeschränkter Menschen im Nahverkehr aufmerksam machen, für gegenseitige Rücksichtnahme unter Fahrgästen werben und nicht zuletzt auch Erkenntnisse über erfolgreiche barrierefreie Modernisierungen und Fahrzeugkonzepte gewinnen.

 

Kompetenzcenter Marketing NRW

Das beim Verkehrsverbund Rhein-Sieg angesiedelte Kompetenzcenter Marketing NRW  fungiert als Geschäftsstelle für den NRW-Tarif und nimmt für die Verkehrsverbünde und -unternehmen in NRW gemeinsame Aufgaben in den Bereichen Tarif, Vertrieb, Einnahmeaufteilung, Marktforschung und Kommunikation wahr. Neben der Weiterentwicklung des NRW-Tarifs werden hier Konzepte für überregionale Qualitätsfragen wie die landesweite Mobilitätsgarantie entwickelt und landesweit vermarktet.


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