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Initiativen & Technik

Stadtwerke Münster stellen Weichen für wachsende Elektrobus-Flotte

11.09.2018

Es ist ein klares Bekenntnis zu Elektrobussen: Die Stadtwerke Münster setzen ab sofort nicht nur fünf neue E-Busse ein, sie machen auch ihren Betriebshof fit für die elektrische Zukunft.

„Emissionsfreie Mobilität bringt insbesondere für die Innenstädte viele Vorteile. Der Bus ist per se schon ein umweltschonendes Verkehrsmittel, noch besser ist es, wenn er elektrisch fährt. Deswegen gehen wir auf dem Weg zu mehr E-Bussen konsequent voran. Unser ambitioniertes Ziel: Im Jahr 2030 fahren 100 Busse elektrisch durch Münster“, erklärt Dr. Dirk Wernicke, technischer Geschäftsführer der Stadtwerke.

Fünf neue Elektrobusse jetzt, 100 bis 2030
Die neuen E-Busse sind der nächste Schritt in diese Richtung. Die Stadtwerke planen, Dieselbusse sukzessive durch E-Busse zu ersetzen und somit jedes Jahr von der weiter verbesserten Fahrzeugtechnik zu profitieren. Diese Strategie hat sich bereits bei den ersten E-Bussen ausgezahlt, die die Stadtwerke seit 2015 im Probebetrieb einsetzen: „Wir haben viele Erfahrungen mit den Bussen gesammelt. Diese kommen nicht nur uns zugute, sondern haben auch dem Hersteller VDL bei der Entwicklung vom Prototyp zum Serienmodell geholfen“, sagt Eckhard Schläfke, Betriebsleiter der Stadtwerke. „Wir erwarten von den Herstellern nun serienreife Busse, die im täglichen Einsatz ebenso zuverlässig sind wie Dieselbusse.“
Die Stadtwerke laden alle Elektrobusse mit Ökostrom. Auf dem Betriebshof steht dafür eine Speicherbatterie, die tagsüber Strom aus den großen Fotovoltaikanlagen auf den Dächern der Wagenhallen aufnimmt und diese Energie später zum Laden der Busse bereitstellt. Auch bei Nachladungen auf der Strecke wird Ökostrom verwendet. Damit stellen die Stadtwerke sicher, dass einerseits der Bus kein CO2 und Stickoxide ausstößt, aber auch bei der Stromproduktion keine Schadstoffe anfallen.

Die neuen Busse sind mit Batterien für eine halbe Tagesfahrleistung ausgestattet. Somit können sie unabhängig von Ladestationen auf der Strecke eingesetzt werden, zum Beispiel auch im Nachtbusverkehr. Besonders in Wohngebieten profitieren die Anwohner von weniger Verkehrslärm, denn die Elektrobusse sind sehr leise.

Für die fünf neuen Elektrobusse investieren die Stadtwerke 2,4 Mio Euro. Das entspricht etwa dem doppelten Anschaffungspreis herkömmlicher Dieselbusse. Diese Mehrkosten werden zu 60 Prozent durch das Land NRW gefördert. Durch perspektivisch niedrigere Betriebskosten ergeben sich so über die gesamte Laufzeit der Busse ungefähr gleich hohe Aufwendungen. „Damit wir unser Ziel von 100 E-Bussen bis 2030 realisieren können, benötigen wir eine verlässliche und dauerhafte Förderung der Mehrkosten“, macht Dr. Dirk Wernicke die Erfordernisse der ÖPNV-Anbieter deutlich.

Ebenfalls noch in diesem Jahr erhalten die Stadtwerke zudem zwei Elektrobusse, die ihren Strom an Bord selbst gewinnen und dafür mit Brennstoffzelle und Wasserstofftank ausgerüstet sind. Eine für Stadtbusse geeignete Wasserstofftankstelle der Westfalen AG ist im Stadtteil Amelsbüren bereits in Betrieb. E-Busse mit Brennstoffzelle haben ähnliche große Reichweiten wie Dieselbusse und sind damit nicht auf Zwischenladungen angewiesen. In Zukunft planen die Stadtwerke, diese Technologie vor allem bei Gelenkbussen einzusetzen, die auf langen Linienwege entsprechend hohe Tagesfahrleistungen erreichen.

Betriebshof wird für E-Busse umgerüstet
Nachts, wenn die Busse auf dem Betriebshof stehen, werden die Elektrobusse bisher mit niedriger Leistung langsam und batterieschonend an der Steckdose aufgeladen, damit sie das Depot morgens vollgeladen verlassen können. Da die E-Bus-Flotte stetig wachsen soll, wird der Betriebshof speziell dafür ausgerüstet. Diese Arbeiten gehen die Stadtwerke ebenfalls schon jetzt an. „Bis Ende 2019 schaffen wir die passende Infrastruktur auf unserem Betriebshof an der Rösnerstraße. Als Energieversorger haben wir dabei nicht nur großes Interesse am netzschonenden Laden der Busse, sondern auch die Expertise im eigenen Haus, um das umzusetzen“, erklärt Dr. Wernicke.

Geplant sind zunächst 24 Ladepunkte, an denen jede Nacht mindestens 40 Busse geladen werden können. Ähnlich wie bei den bereits bestehenden Schnellladestationen ist auch hierfür ein kabelloses Ladesystem vorgesehen. Die Busse verbinden sich dabei auf Knopfdruck per Dachstromabnehmer mit der Ladehaube, die unter dem Dach der Wagenhalle angebracht wird. Im Gegensatz zu den Schnellladestationen setzen die Stadtwerke für die Über-Nacht-Ladung eine geringere Leistung zwischen 75 und 100 kW ein, um die Batterien zu schonen.
Auch für die Umrüstung des Betriebshofes haben die Stadtwerke umfangreiche Fördergelder eingeworben. Von den 1,35 Mio Euro, die die Stadtwerke investieren, werden rund 90 Prozent durch das Land NRW gedeckt. Auf diese hohe Förderquote kommen die Stadtwerke auch, weil sie zu den ersten und damit erfahrensten E-Bus-Betreibern in Deutschland gehören: „Wir haben uns früh mit E-Bussen beschäftigt und wissen daher schon heute sehr genau, welche Investitionen wirklich nötig werden und vor allem auch, welche nicht notwendig sind“, so Eckhard Schläfke.

Dabei schauen die Stadtwerke auch bereits ins nächste Jahrzehnt: Um Mitte der 2020er Jahre zwischen 60 und 70 E-Busse betreiben zu können, starten bereits erste Planungen für zwölf weitere Ladepunkte auf dem Betriebshof. Zusätzlich sind dann zwei dezentrale Ladepunkte im Liniennetz vorgesehen, die Elektrobusse für die Zwischenladung nutzen können.

Technische Daten der Busse

  • Modell: VDL citea electric
  • Länge: 12 Meter
  • Elektromotor: Siemens-Zentralmotor mit 160 kW
  • Batterietyp und -größe: Lithium-NMC mit 180 Kilowattstunden
  • Reichweite: ca. 120 Kilometer
  • Klimatisierung und Heizung: elektrisch, Zusatzheizung mit Diesel ausschließlich für strenge Wintertage

Quelle: Stadtwerke Münster

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