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Service & Organisation

Stadtbahn-Sanierung: Was tun?

26.06.2014

Den Stadt-, Straßen- und U-Bahnen in NRW fehlen in den kommenden Jahren 1,1 Milliarden Euro für dringende Sanierungsmaßnahmen. Viele ÖPNV-Linien in Großstädten fahren bereits an der Belastungs- und Kapazitätsgrenze. Dirk Biesenbach, Vorstandssprecher der Düsseldorfer Rheinbahn und Vorsitzender der VDV-Landesgruppe NRW, erläutert den Sanierungsstau.

Herr Biesenbach, wie dringlich ist aus Ihrer Sicht die Modernisierung des U- und Stadtbahn-Netzes in NRW?

In NRW verfügt jede größere Stadt über ein Stadtbahnsystem. Diese sind überwiegend in den 70er- und 80er-Jahren mit sehr hohen Fördermitteln (bis zu 90 Prozent) insbesondere vom Bund aber auch vom Land erbaut worden. Nach 30 bis 40 Jahren intensiver Nutzung sind diese Systeme am Ende ihrer technischen Lebensdauer angelangt und müssen ersetzt werden. Es geht um Fahrwege, Leittechnik, Stationen, Fahrzeuge etc.. Außerdem sind die zum Teil sehr anspruchsvollen Systeme technisch völlig überholt. Es ist teilweise heute schon schwierig, für diese alten Systeme Ersatzteile zu beschaffen, und es ist absehbar, dass diese irgendwann nicht mehr zur Verfügung gestellt werden können.

Marode Infrastruktur: Was bedeutet das konkret für die Fahrgäste?

Zunächst mal ist festzuhalten, dass die Systeme sich derzeit in einem sicheren Betrieb befinden. Als Fahrgast muss man sich keine Sorgen machen. Wenn Teile der Infrastruktur nicht mehr instand gesetzt werden können, wird sie aus dem Betrieb genommen. D. h. ohne eine Modernisierung der Infrastruktur werden in einigen Jahren Teile des Streckennetzes stillgelegt werden müssen. Dies wird ein schleichender, aber für unsere Fahrgäste spürbarer Prozess werden. In der Stadt Mülheim hat diese Entwicklung bereits begonnen.

Warum wurde in der Vergangenheit so wenig in die U- und Stadtbahnen investiert?  Warum fehlt das Geld?

Die Stadtbahnsysteme wurden insbesondere vom Bund sehr großzügig gefördert. Schon damals, obwohl es den Städten finanziell deutlich besser ging, hätte keine Kommune und kein Verkehrsbetrieb ein solches System alleine finanzieren können. Was für die neue Investition damals galt, gilt umso mehr für die Finanzierung der Ersatzinvestition, die heute ansteht. Zudem ist der finanzielle Spielraum der Kommunen deutlich geringer geworden. Daher muss insbesondere der Bund aber auch das Land bei der Finanzierung und Ersatzinvestitionen unterstützen, so, wie sie das bei den neuen Anlagen auch getan haben. Die Instandsetzung der bestehenden Infrastruktur ist und bleibt eine öffentliche Aufgabe. Die Erkenntnis hat sich jetzt mittlerweile überall durchgesetzt. Jetzt müssen Taten folgen.

Was kann man gegen den Sanierungsstau tun?

Dieser Sanierungsstau kann nur durch die zur Verfügung Stellung von zusätzlichen öffentlichen Mitteln aufgelöst werden. Dieses Thema ist in den letzten Jahren sehr intensiv erarbeitet worden, insbesondere von der Daehre und der späteren Bodewig Kommission. Es ist der Bedarf ermittelt worden und es gab eine Reihe von Finanzierungsvorschlägen. Es wurde sehr viel analysiert und es wurde sehr viel diskutiert. Ein Erkenntnisproblem haben wir nicht mehr. Jetzt muss umgesetzt werden. Die Politik, insbesondere in Berlin, ist jetzt am Zug.

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