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„Vor allem soll es Spaß machen“

Elisabeth Plum und ihr Lebenspartner Dirk Stein sind einen Großteil ihrer Freizeit in den Wäldern Nordrhein-Westfalens unterwegs. Und das, obwohl die 51-Jährige im Rollstuhl sitzt. Im Interview erzählt sie von ihren Erfahrungen mit dem barrierefreien Wandern, gibt Tipps und verrät ihre Lieblingsrouten.

Steile Hänge, enge Pfade, unebene Böden – auf welche Hürden müssen sich mobilitätseingeschränkte Menschen bei einer Wanderung einstellen?

Natürlich sind nicht alle Steigungen zu bewältigen, Schotterpisten ein Graus, Wiesenpfade beschwerlich bis unpassierbar. Da muss man vorher drauf achten und dementsprechend planen. Oder einfach draufloswandern, Grenzen ausloten und zur Not wieder umkehren. Das kann auch Spaß machen, ist aber nicht jedermanns Sache.

Ist es für Sie überhaupt möglich, eine Wanderung entspannt und ohne große Probleme zu genießen?

Wenn man entspannt wandern möchte, ist gründliches Informieren alles. Ist der Wanderweg von den Steigungen und der Wegbeschaffenheit für mich geeignet? Wie komme ich zum Ausgangspunkt der Wanderung? Gibt es barrierefreie ÖPNV-Angebote? Kann ich den ÖPNV und mein eigenes Auto kombinieren, wenn ich zwar mit eigenem Auto anreisen, aber keinen Rundweg machen möchte? Gibt es Rollstuhl-WCs und stufenfreie Lokale auf der Strecke? Diese und viele weitere Fragen wollen beantwortet werden.   

Wie können sich eingeschränkte Menschen auf eine Tour vorbereiten?

Das Internet bietet natürlich viele hilfreiche Infos. Wer Wanderkarten und Tourenbeschreibungen lesen kann, sollte sich viele Strecken schon ungefähr vorstellen können und herkömmliche Wandertipps auf die eigenen Möglichkeiten umgestalten. Super sind Wanderführer, die Tipps für Kinderwagen beinhalten. Vereinzelt gibt es auch Tipps für mobilitätseingeschränkte Wanderer.

Wo kann man besonders gut barrierefrei wandern in NRW?

Klassisch natürlich auf Wanderwegen entlang von Flüssen und auf Bahntrassen. Aber auch im Bergischen oder vor allem in der Rureifel gibt es schöne, nahezu barrierefreie Wanderstrecken. Besonders liebe ich die Weinwanderung auf dem Ahrtalradweg und auf Teilabschnitten des Rotweinwanderweges.

Wie lässt sich die An- und Abreise zu den Start- und Zielorten organisieren? Welches Verkehrsmittel eignet sich besonders gut?

Niederflurbahnen und -busse sind oft eine Alternative zur Anreise mit dem Auto – gerade wenn man Streckenwandern möchte. Auch Reisen mit den Zügen der Deutschen Bahn sind in den letzten Jahren unkomplizierter geworden.

Sie und Ihr Partner Dirk Stein wollen mobilitäts- und aktivitätseingeschränkte Menschen ermutigen, sich den Reiz des Wanderns nicht entgehen zu lassen. Wie genau machen Sie das?

Wir haben für eine große deutsche Krankenkasse eine Broschüre mit Wandertipps rund um Köln entwickelt. In „Einfach los! Wandern mit Rollstuhl und Kinderwagen rund um Köln“ findet man alle wichtigen Informationen zum barrierefreien Wandern, die man sich sonst mühsam zusammensuchen muss. Zeitgleich sind die Schönheiten am Wegesrand beschrieben und wir erzählen Geschichten zu den Sehenswürdigkeiten, die Wanderern unterwegs begegnen. Denn schließlich soll das Ganze vor allem eins: Spaß machen, den man mit Freunden und Familie teilen kann.

Informationen zu den barrierefreien Abschnitten der „Wunderbar wanderbar“-Touren 2016 gibt es im Tourenfinder. Darüber hinaus weist ein Artikel aus dem letztjährigen Wander-Special auf weitere barrierefreie Wanderwege in NRW hin.

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