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Klaus T. aus Münster

Was heißt Zugumleitung auf Spanisch?

Kurz hinter Hagen fuhr der IC stetig langsamer, schließlich stand er. Vor dem Fenster sah ich an diesem regnerischen und dunklen Herbsttag die bedrohlich nahen „Berge“. Obwohl die Reise mich öfters hier vorbeiführte, hatte ich sie bis heute nie so nah, gefährlich und dunkel gesehen, besann mich aber wieder auf die Arbeit. Nach einer schier endlosen Weile krächzte der Bordfunk „Äh, bzzzzz, liebe, äh, Fahrgäste. Aufgrund eines Felssturzes ist die vorausliegende Strecke derzeit gesperrt. Wir bitten um Ihr Verständnis und entschuldigen uns für die Unannehmlichkeiten.“

Nach einer Weile schreckte der Bordfunk uns alle wieder auf. Die Strecke sei so schnell nicht zu räumen und man sei mit der Transportleitung in Verbindung. Die junge Dame von gegenüber fragte zaghaft in englischer Sprache, warum es denn nicht weitergehe. Es stellte sich heraus, dass sie eine spanische Austauschwissenschaftlerin sei und kein Deutsch spräche – ein wenig hilflos sei sie derzeit. Wir übersetzten.

Nach einer halben Stunde tönte der Bordfunk. Die Transportleitung würde uns nun ohne Halt durch die Hauptbahnhöfe Hagen, Dortmund, Essen, Duisburg, Düsseldorf nach Köln schicken. Ein Raunen ging durchs Abteil. „Unsere Spanierin“ zuckte mit den Schultern und hob hilfesuchend die Hände. Wir übersetzten, der Zug fuhr an – rückwärts.

Die Verspätung weitete sich aus, das Zugpersonal rief die Reisenden nach Stuttgart und weiter südlich zusammen: 18 Personen. Der Zugchef telefonierte, dann: „Halt in Mannheim und per Taxi-Express nach Heidelberg und mit dem letzten dort haltenden ICE nach Stuttgart. Und beeilen Sie sich bitte!“ Schon übersetzte ich fleißig, als mich unvermittelt ein spanischer Redeschwall traf. Nach Mannheim? In ein Taxi? Und wenn dort niemand ist? Und nichts von uns weiß? In einer fremden Stadt. Ihre Panik war nicht nur gespielt. Und wenn die Welt zwischenzeitlich untergeht? Und wer zahlt das Taxi? Fragen über Fragen!


In Mannheim stolperten wir hastig die Treppen herunter. In der Bahnhofshalle fragten Mitarbeiter der Bahn „Nach Stuttgart?“ und deuteten uns dann den Weg zum Ausgang. Die Türen schlugen auf, wir stürmten im Laufschritt heraus. Draußen wartete ein weiterer Mitarbeiter der Bahn und gab dem Taxifahrer einen Zettel. Jemand war beim Einladen behilflich, wir sprangen in das Großraumtaxi, die Tür schlug zu.

Auf der Autobahn kam ich wieder zu Atem. Flugs waren wir in Heidelberg und erreichten den ICE. „So geht das also in Deutschland – perfekt organisiert“, sagte die Spanierin staunend.

Wir kamen mit zwei Stunden Verspätung in Stuttgart an. Die Welt hat sich seitdem mehrfach geweigert unterzugehen – Dank des Engagements und des Verständnisses einiger hingebungsvoller Mitarbeiter der Bahn.

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