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Karin D. aus Aachen

Mangelnde Zivilcourage

Am 20. Juni 2013 um 20.00 Uhr stand ich in Aachen alleine an der Haltestelle und wartete auf den Bus. Dann kam noch jemand. Er war ca. 65 - 70 Jahre alt, männlich, unscheinbar, mit schlurfendem Gang. Er setzte sich auf die Wartebank und blickte stumm zu Boden. Beide stiegen wir in den Bus ein.

"Guten Abend, einmal "Alte Post", bitte", so löste ich meinen Fahrschein. Er sagte nichts, setzte sich gegenüber des Busfahrers, ich zwei Sitze hinter dem Busfahrer. Zwei oder drei Personen saßen ebenfalls im Bus. Auf der hintersten Bank saßen fünf Jugendliche im Alter von 14 - 16 Jahren. Sie hatten Freude und Spaß, lachten laut und freuten sich auf ein Fußballspiel.

Ab und an schaute der Busfahrer in seinen Rückspiegel zu den Jugendlichen. Ganz beiläufig fragte er mich, ob mir etwas an den Jugendlichen auffiele. Ich verneinte es. Mein Empfinden durch das Lachen war nicht gestört und die anderen Fahrgäste zeigten ebenso keine Reaktion von Belästigung durch die Jugendlichen.

Plötzlich erwachte der alte Mann zum Leben und sagte zu dem Busfahrer: "Ich bin sozusagen ein früherer Kollege von Ihnen." Immer und immer wieder fragte er den Busfahrer, ob er hinten einmal aufräumen solle. "Verlassen Sie sich darauf, ich werde dafür sorgen, dass Ordnung herrscht". Ich übernehme das für Sie. Lassen Sie mich nur mal machen."

Es drängte ihn schon sehr "aufzuräumen", wo nichts aufzuräumen war. Noch ehe der Busfahrer etwas erwidern konnte, sprang er plötzlich auf. Der unscheinbare Mann verwandelte sich zusehends zu einem bedrohlichen Mann. Er blähte sich förmlich auf. Sein schlurfender Gang wurde mit einem Mal stramm, als er auf die Jugendlichen zuging. Mit scharfer Stimme schrie er sie an sich sofort ruhig zu verhalten und andere Fahrgäste nicht zu belästigen. Er drohte ihnen an, sie aus dem Bus zu werfen. Es war die Schärfe seiner Stimme, die mich so erschrecken ließ. Sie erinnerte mich so an die "Damaligen". Auch sie waren privat unscheinbar. Ich musste aussteigen, meine Haltestelle war erreicht. Und ich musste erkennen, dass die Jugendlichen von ihm gezwungen wurden, ebenfalls auszusteigen.

Ich hätte reagieren müssen! Habe ich aber nicht gemacht! Es ging mich ja nichts an!!!

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