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Karin K. aus Königswinter

Ein neuer Lebensabschnitt

Die Kinder sind schon groß. Bald gehe ich wieder arbeiten. Und nun die schwierige Entscheidung: Fahre ich mit dem Auto oder mit Bus und Bahn. Jeden Tag aus meinem Königswinterer Bergdorf bis nach Bonn. Mir fallen hundert Argumente ein. Von Bequemlichkeit über Zeitersparnis bis hin zur ökologischen Verantwortung. Schließlich entscheide ich mich für Bus und Bahn!

Bald stelle ich fest, dass öffentliche Verkehrsmittel eine faszinierende Angelegenheit sind. Besonders dann, wenn man immer zur gleichen Zeit fährt. Aufgeregt steige ich am ersten Tag in den Bus. Gleich an der nächsten Haltestelle entdecke ich erfreut, dass zwei gute Bekannte im gleichen Bus fahren. Sehr praktisch! Die beiden sind erfahrene Bus- und Bahnfahrer. Sogleich werde ich in die Geheimnisse des idealen Umsteigens in die Straßenbahn eingewiesen. Wo stellt man sich am besten auf den Bahnsteig, damit man einen Platz bekommt. Erstaunt beobachte ich in den nächsten Wochen, dass tatsächlich immer das gleiche Ende des Zuges völlig überfüllt ist.

So fallen mir im Laufe der Zeit viele Menschen und kleine Rituale auf, die jeden Morgen gleich sind. Da ist der Herr, der jeden Morgen den gleichen Platz im Bus sucht. Ein anderer ist immer besonders elegant gekleidet und frisiert. Da ist die Frau, die immer in der letzten Sekunde außer Atem zur Bushaltestelle gerannt kommt. Oder die vier Berufsschüler, die jeden Morgen in der gleichen Ecke sitzen und ihre Hausaufgaben fertigmachen. Nach einer Weile kenne ich fast alle Gesichter, die morgens mit dem gleichen Bus fahren und die zugehörigen Gewohnheiten.

Und wenn einer die morgendliche Routine durchbricht, fällt es direkt auf. Als mein Bekannter morgens nicht zusteigt, frage ich mich, ob er wohl krank ist. Erschreckt zucke ich zusammen, als der schüchterne junge Mann mich freundlich lächelnd grüßt und nicht wie üblich mit gesenktem Blick an mir vorbeigeht. Eher erfreulich finde ich den Tag, an dem der sonst recht streng riechende Handwerker ganz himmlisch nach Rasierwasser duftet. Heute fehlt die abgehetzte Frau – ob sie wohl dieses Mal nicht schnell genug gerannt ist? Still schmunzle ich in mich hinein, als der elegante Herr arg zerzaust in den Bus steigt – ob der wohl verschlafen hat? Einmal fehlen die Berufsschüler – ach ja, sie hatten gestern davon gesprochen, dass die Schule ausfällt.

Und dann kommt der Tag, an dem ich das morgendliche Ritual durchbreche und ausnahmsweise mit dem Auto anreise. Während ich über die Rheinbrücke fahre, überholt mich meine Straßenbahn. Da frage ich mich, ob die anderen mein Fehlen wohl bemerkt haben und sich wundern, warum ich heute nicht dabei bin.

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