Das Mobilitaetsportal NRW
 
schliessen

Harald S. aus Köln

Es war einmal… So fangen alle Märchen an und so soll auch meine Geschichte anfangen. Denn meist enden Märchen mit einem Happy End. Das wünsche ich mir für meine Geschichte auch. Warum, das werdet ihr gleich selbst erfahren.

Der Mann, der in die S16 einstieg, unterschied sich auf den ersten Blick nicht von den anderen Fahrgästen. Er war groß, ungefähr 1,85, breitschultrig und hatte kurzes braunes Haar. Erst als er mit tiefer, bassdröhnender Stimme zu sprechen begann, schenkte man ihm Aufmerksamkeit. „Entschuldigen Sie bitte vielmals die Störung! Das hier zu tun, fällt mir nicht leicht. Mein Name ist Frank, ich bin 51 Jahre alt, habe eine wundervolle Frau und einen kleinen Sohn. Ich bin seit einem Jahr arbeitslos. Die Firma, in der ich als Logistiker angestellt war, ist in der Krise Pleite gegangen. Seitdem mussten wir bereits unser Haus und unser Auto verkaufen. Es tut mir leid, wenn ich Sie störe, aber ich bettle nicht um Almosen. Allerdings, falls jemand von Ihnen eine Arbeit oder einen Job für mich hat, möchte ich meine Dienste anbieten. Ich kenne mich mit Handwerksarbeiten, IT und Logistik aus. Aber ich verstehe auch, wenn Sie mir nicht helfen können. Ich selbst habe früher nie viel für andere getan. Doch wenn ich heute die Menschen morgens auf ihrem Weg zur Arbeit sehe, empfinde ich Neid… Das hier zu tun, kostet mich viel Überwindung. Es tut mir leid, Sie gestört zu haben.“ Am Ende seiner Rede konnte ich erkennen, dass ich nicht der Einzige war, der diesem Unbekannten wie gebannt gelauscht hatte. Auch, wenn viele ihn nicht direkt anschauten, zückte doch die Mehrheit der Anwesenden ihr Portemonnaie. Der Mann mit dem Namen Frank nahm diese Gaben demütig und dankend an.

Als er an der nächsten Haltestelle ausstieg, war ich emotional aufgewühlt von seiner bewegenden Rede. Beinahe wäre ich aufgesprungen und hätte… Ja, was hätte ich? Ihm mein Mitgefühl ausgedrückt? Seine Hand geschüttelt oder ihm auf die Schulter geklopft? Mein Portemonnaie für ihn ausgeleert? Ich weiß es nicht. Stattdessen blieb ich sitzen und wünschte ihm alles Glück der Welt. Mit einem Ruck fuhr die Bahn an und nach ein paar Sekunden verschwand er aus meinem Blickfeld. Aus meinen Gedanken jedoch ist er bis heute nicht verschwunden. Wenn ich jetzt, zwei Jahre nach unserer Begegnung, daran zurückdenke, stelle ich mir vor, dass seine Bemühungen erfolgreich waren und er wieder Arbeit gefunden hat. Dann könnte die Geschichte tatsächlich als Märchen enden: Und er lebte glücklich bis ans Ende seiner Tage.

Drucken