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ExtraFahrt! zur ExtraSchicht 2014

"Sie haben uns die Fahrt versüßt!"

Foto von der ExtraFahrt.

Virtuose Konzerte in der U-Bahn, amüsante Lesungen am Bahnhof und pointierte Kurz-Literatur in der Tram: Zur Nacht der Industriekultur am 28. Juni verwandelte die Gemeinschaftskampagne „Busse & Bahnen NRW“ erneut den Nahverkehr in eine Bühne für kunstvolle Inszenierung. Die ExtraFahrt zur ExtraSchicht war ein Erlebnis für Pendler und Künstler!

Pünktlich zum Auftakt legte auch der Regen eine „ExtraSchicht“ ein. Doch 150.000 ließen sich nicht die Lust am ruhrgebietsweiten Kultur-Event nehmen. Viele von Ihnen stiegen in die öffentlichen Verkehrsmittel, um von Spielort zu Spielort aufzubrechen. In Bochum, Essen sowie zwischen Oberhausen und Duisburg-Ruhrort bot die ExtraFahrt eine nahezu nahtlose Erlebniskette

In Bochum stimmte der KlassikExpress 308/318 mit Streichern (Duo Corretto), Operngesang (Justus Seeger) und einer Prise Jazz (Gilda Razani, Saxofool) auf das Konzert der Symphoniker im rewirpowerSTADION ein, im Untergrund der Linie U35 verwöhnten Sopranistin Eva-Maria Falk und Violinistin Alexandra Stanoeva das fahrende Publikum. Mancher Nachtschwärmer rieb sich verwundert die Augen, als die Künstler mit ihren Musikinstrumenten in die öffentlichen Verkehrsmittel stiegen. Ein Konzert in der Straßenbahn hört man schließlich nicht alle Tage. Umso größer fiel der Applaus an den Endstellen aus. 

Auch an den Bochumer Stationen begeisterten Musiker Kulturpendler und Passanten. Die Spaßbläser-Formation Blechharmoniker und die musikalischen Tausendsassa von Kozma Orkestar wechselten sich am Hauptbahnhof ab, De Swingers aus den Niederlanden rockten in jeder Minute ihrer Spielzeit die Haltestelle am Bergbau-Museum. Spontan umdisponieren musste die brasilianische Trommel-Combo Banda Show Pelodum: Der Dauerregen sabotierte ihren Auftritt an der Jahrhunderthalle. Mit Sack und Percussion ging es in Richtung Essen, wo die Gruppe am Hauptbahnhof einheizte. Dass die Musiker die Gelegenheit hatten, ihre Selecao im Achtelfinale der Fußballweltmeisterschaft siegen zu sehen – in der Bahnhofshalle lockte die Deutsche Bahn mit Public Viewing – war der Stimmung natürlich zuträglich.

Zum Programm in Essen gehörte der Auftritt von Christine Sommer und Martin Brambach: Das Schauspielerpaar nahm zum bereits dritten Mal an der ExtraFahrt zur ExtraSchicht teil, in den vergangenen Jahren haben die beiden eine treue Fanschar versammeln können. Schon lange vor ihrem Auftritt um 18 Uhr sicherten sich die ersten Zuhörer die besten Plätze in den vorderen Reihen. Das Warten lohnte sich: Mit viel Witz und Leidenschaft rezitierten Christine Sommer und Martin Brambach absurd-komische Zeilen der 1960er-Jahre, auch gesanglich gaben die Mimen eine gute Figur ab.

Kurz-Literatur zum Schmunzeln, Schwelgen und Nachdenken brachte der PoetryExpress 107 zwischen Essen Hauptbahnhof und UNESCO-Welterbe Zollverein. 15 Slammer in Dreier-Gruppen enterten die zum Teil historischen Straßenbahnen, die auf dieser Strecke verkehrt, und gaben Texte aus ihrem reichhaltigen Fundus zum Besten. Mit ihren Zeilen und Versen erreichten die Bühnen-Poeten Jung und Alt. Einige Fahrgäste pendelten sogar mehrfach mit der Linie 107, um möglichst viele Slammer zu erleben. Geballte Poesie bot die offene Bühne zum Abschluss des Programms am Hauptbahnhof: Dort gaben die Literaturaktivisten eine Zugabe.

Richtig eingebunden war das Publikum in Oberhausen: Der Shantychor Duisburg animierte mit seinen Hafenliedern zum Mitsingen, maritime Walking-Acts unterhielten mit Comedy und Zauberei. Mal mehr, mal weniger gemütlich schipperte der ShantyExpress RB 36 von Oberhausen nach Duisburg-Ruhrort: Mit den Reeperboys waren die Rockstars der Shanty-Szene unterwegs, begleitet wurden sie von der Reibeisenstimme des Blue-Barden Matthes Fechner. Auch hier zeigte sich: Der eine oder andere nutzte die überschaubare der RB 36, um eine zusätzliche ExtraFahrt einzulegen. Zufriedene und fröhliche Gesichter, wohin man nur schaute: „Sie haben uns die Fahrt versüßt“, lautete das wohl schönste Lob des Abends.

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