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Tariflandschaft in NRW

Die Tariflandschaft in NRW baut auf den acht regionalen Verbundtarifen in den Teilräumen des Landes auf und wird durch den landesweiten NRW-Tarif ergänzt.

Das ÖPNV-Gesetz NRW hat 1996 die Weichen gestellt für eine umfassende Integration aller ÖPNV-Angebote in zunächst neun, heute acht Verbund- bzw. Gemeinschaftstarife innerhalb des Landes Nordrhein-Westfalen. So wurde hierdurch eine Vielzahl unternehmensbezogener Tarife aufgelöst und die tarifliche Integration von Bus und Schiene in allen Teilräumen des Landes vollzogen.

Die stufenweise Einführung des NRW-Tarifs ab 2004 rundete die Neuordnung der NRW-Tariflandschaft ab. Für alle Nahverkehrsfahrten innerhalb von NRW besteht seitdem eine Haus-zu-Haus-Tarifierung, die die Nutzung aller Nahverkehrsmittel einschließt.

Mit der Fortschreibung des ÖPNV-Gesetzes 2008 wurde erneut das tarifpolitische Ziel bekräftigt, einen landesweiten Tarif und einheitliche Beförderungsbedingungen zu definieren sowie innerhalb der 3 neugeschaffenen Kooperationsräume einheitliche Verbundtarife zur Vereinfachung der Tarifstrukturen zu bilden. Mit der Ablösung des VGN-Tarifs im Tarifraum Niederrhein durch einen erweiterten VRR-Tarif zum 1. Januar 2012 wurde der erste Schritt zur Reduzierung der Anzahl Tarifräume vollzogen. Seitdem bestehen acht Verbund- bzw. Gemeinschaftstarife in NRW. Die weitergehende Integration der Tarifräume in Rheinland und Westfalen stellt das zukünftige Ziel der Tarifentwicklung NRW dar.

Eine vertiefende Darstellung zum NRW-Tarif finden Sie hier.

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Ausgangslage

In den ÖPNV-Tarifräumen Rhein-Ruhr (seit 1980), Rhein-Sieg (seit 1987) und Aachen (seit 1995/96) wurden bereits sehr frühzeitig Verkehrsverbünde mit Verbundtarifen für Schiene und Bus eingeführt. Im Tarifraum Niederrhein erfolgte dieser Schritt 1999, in den fünf westfälischen Verkehrsgemeinschaften Ruhr-Lippe, Münsterland, Ostwestfalen-Lippe, Paderborn/Höxter und Westfalen-Süd im Jahr 2000. Mit der Neuordnung der Tariflandschaft wurde die Zahl der ehemals über 100 unternehmenseigenen Tarife und Übergangstarife landesweit auf nur noch zehn reduziert: neun Verbund- und Gemeinschaftstarife und der Nahverkehrstarif der Deutschen Bahn AG.

Besonderes Tarifelement war die Neugestaltung der Übergangstarife. NRW hat sich grundsätzlich von den Übergangstarifen in der bisherigen Form verabschiedet und bei Verkehrsverflechtungen im Nahbereich über die Tarifraumgrenzen hinweg stattdessen „Tarifkragen” eingeführt. Hierbei wird jeweils einer der benachbarten Verbundtarife als „Übergangstarif” genutzt. Der Fahrgast muss damit keine speziellen eigenständigen Übergangstarife erlernen und anwenden.

Für verbundübergreifende Fahrten zwischen den Tarifräumen wurde 1999 mit dem Tarifangebot „NRWplus“ erstmalig eine Durchtarifierung zwischen Bahn und Bus/Stadtbahn erreicht, wobei der Aufpreis zur Bahnfahrkarte für die Nutzung der städtischen Verkehrsmittel im Nachlauf der Fahrt fakultativ erworben werden konnte. Das NRWplus-Ticket diente als „Vorreiter“ für den NRW-Tarif und wird weiterhin im Fernverkehr sowie bei Fahrten mit Nahverkehrszügen zwischen NRW und anderen Bundesländern angeboten.

Mit dem NRW-Tarif sind die Verbundtarife ab 2004 um landesweite Bezüge ergänzt worden. Die Verbundtarife mit ihrer individuellen Tarifsystematik bleiben dabei in den Tarifräumen des Landes bestehen. Die räumliche Erweiterung des jeweiligen Verbundtarifs zum landesweiten NRW-Tarif wird relationsbezogen durch Tickets „von Gemeinde nach Gemeinde” (RelationspreisTickets) hergestellt. Der Preis für die RelationspreisTickets setzt sich zusammen aus einem entfernungsabhängigen Preisbestandteil für die Fahrt mit den regionalen Verkehrsmitteln von der Start- zur Zielgemeinde (z. B. mit Nahverkehrszug oder Regionalbus) sowie einem pauschalen Anteil, der die Nutzung der lokalen Verkehrsmittel am Start und Ziel der Reise (Vor- und Nachlauf zur Feinerschließung wie z. B. Fahrt mit dem Bus zum Bahnhof) vergütet. Hierdurch wurde ein überregionaler Tarif geschaffen, der die landesweite Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel mit einem Ticket ermöglicht.

Neben den RelationspreisTickets von Stadt zu Stadt (im Einzelfahrausweis- und Zeitkartensegment) beinhaltet der NRW-Tarif auch landesweit gültige pauschale Fahrausweisangebote (PauschalpreisTickets) wie z. B. das SchönerTagTicket NRW 5 Personen.

Da der NRW-Tarif die regionalen Verbundtarife „überkragt“, mussten die Beförderungsbedingungen aller in NRW angewendeten Tarife weiter vereinheitlicht werden. Vergleichbare Sachverhalte wie z. B. Kinderaltersgrenzen, Fahrradmitnahmeregelungen, Gültigkeitszeiträume von Tageskarten und Monatskarten (stets kalendarisch) sowie Mehrfahrtenkarten (stets als 4-Fahrten-Karte) etc. wurden daraufhin landesweit einheitlich formuliert. Dadurch ist für die Fahrgäste landesweit mehr Übersichtlichkeit und Verständlichkeit gegeben.

Die Praxis hat gezeigt, dass der strategische Ansatz der Tarifharmonisierung in NRW für den Kunden einen erheblichen Mehrwert darstellt (einheitliche Benutzeroberfläche) und gleichzeitig den regionalen Tarifräumen den notwendigen Spielraum zur Entwicklung neuer innovativer Ideen lässt. Vor diesem Hintergrund wird im NRW-Nahverkehr seit 2010 nur noch eine NRW-weit einheitliche Fassung der Beförderungsbedingungen angewendet, die für alle Tarife in NRW gleichermaßen gilt. Gleichzeitig wurden weitere Inhalte der Tarifbestimmungen vereinheitlicht.

Mit dem ÖPNVG NRW wirkt das Land NRW auf eine Zusammenfassung der vorhandenen Verbund- und Gemeinschaftstarifräume zu nur noch drei Räumen hin. Durch die Ablösung des VGN-Tarifs durch den erweiterten VRR-Tarif zum 1. Januar 2012 ist der erste Schritt zur Reduzierung der Anzahl der Verbund- und Gemeinschaftstarifräume erfolgt. In einem weiteren Schritt haben die Räume Rhein-Sieg und Aachen zum 1. Januar 2015 eine Tarifkooperation umgesetzt, bei der der VRS-Tarif auch für alle Relationen zwischen den beiden Tarifräumen angewendet wird. In Westfalen befindet sich der Westfalen-Tarif in Vorbereitung, der die 5 regionalen Gemeinschaftstarife in Westfalen-Lippe ersetzt und vsl. 2017 eingeführt wird.

Die Forderungen der Fahrgäste nach Einfachheit, Transparenz und Vereinheitlichung sind Leitlinie für die Weiterentwicklung der Tarife. Gleichzeitig ist es notwendig, den Freiraum und die Eigenverantwortung der Verkehrsunternehmen für die Akquisition am Markt zu erhalten und weiter zu stärken. Zudem soll der Leistungswettbewerb durch landesweit verbindliche Rahmenbedingungen gefördert werden. Anlass für die Weiterentwicklung der NRW-Tariflandschaft ist auch eine engere Verzahnung der Tarifräume, die Schaffung von Chancengleichheit im Wettbewerb auf der Schiene sowie eine Verbesserung der tariflichen Voraussetzungen, elektronische Fahrgeldsysteme einzuführen. 

Akteure

Die Entwicklung und Umsetzung der Tarifkonzeption für Nordrhein-Westfalen hat einen hohen Abstimmungsbedarf erfordert, der auch mit der Weiterentwicklung des NRW-Tarifs bestehen bleibt – sowohl in den Regionen als auch landesweit. Die Initiierung und Moderation des Landes ermöglicht dabei, alle relevanten Gruppen – unmittelbar Beteiligte und Experten sowie die Fahrgäste – einzubeziehen.

Das Konzept des NRW-Tarifs haben die Tarifexperten der Verkehrsverbünde, Verkehrsgemeinschaften, Verkehrsunternehmen und Zweckverbände unter Federführung des Kompetenzcenter Marketing NRW (KCM) entwickelt und im Landesarbeitskreis Nahverkehr NRW verabschiedet. Von dort aus und über das KCM ist der NRW-Tarif in die Regionen getragen worden. Zur Abstimmung von Sachfragen des NRW-Tarifs moderiert das KCM eine regelmäßig tagende Arbeitsgruppe aus Vertretern der Tarifräume sowie ausgewählten Verkehrsunternehmen.

Probleme und Aufgaben

Mit Einführung des NRW-Tarifs wurde ein großes Ziel bei der Harmonisierung der Tarife erreicht und ein formalisierter Rahmen für die landesweite Zusammenarbeit der Tarifräume geschaffen. Der konstruktive Dialog zur Tariflandschaft in NRW in den acht Tarifräumen und bei den Verkehrsunternehmen ist damit jedoch nicht beendet. Er wird weiterhin vom Land initiiert und unterstützt. Der NRW-Tarif verlangt auch zukünftig Abstimmungen über das Ticketsortiment, Preisanpassungen und Weiterentwicklung des Systems. Darüber hinaus ist es das Ziel, die bestehenden Verbundtarife auf freiwilliger Basis weiter zu harmonisieren. Durch Harmonisierung und Verringerung der Verbundtarife in NRW soll eine noch größere Übersichtlichkeit in der Tariflandschaft geschaffen werden. Zudem sollen die Zugangshürden zum ÖPNV sinken. NRW gehört damit bundesweit zu den Vorreitern für ein erfolgreiches Modell landesweiter Tarifkooperationen und -harmonisierungen.

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