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SPNV-Qualitätsbericht

Der Qualitätsbericht zum Schienenpersonennahverkehr in Nordrhein-Westfalen erscheint jedes Jahr. So lassen sich Qualitätsverbesserungen objektiv nachverfolgen.

Der SPNV-Qualitätsbericht NRW 2015

Jährlich wird gemessen, wie sich das Qualitätsniveau im Nahverkehr auf der Schiene entwickelt hat. Der Qualitätsbericht gibt Auskunft, ob definierte Standards – z. B. bei Service und Sicherheit – eingehalten wurden oder ob neu eingeführte Maßnahmen erfolgreich waren. Inhaltlich liegen ihm größtenteils objektiv messbare Daten zugrunde. Dazu zählen beispielsweise die Pünktlichkeit der Verkehrsmittel oder Zugausfälle. Diese Werte ergeben sich aus den Liefernachweisen der Eisenbahnverkehrsunternehmen. Seit 2009 weist der Bericht auch aus, wie es um die Leistungsfähigkeit der Eisenbahninfrastruktur in NRW steht.

 

Der aktuelle SPNV-Qualitätsbericht 2015 ist hier in Kurzfassung und Langfassung zum Download verfügbar.

 

 

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Ausgangslage

Mit der Aufstellung eines jährlichen SPNV-Qualitätsberichts sollen die qualitätsrelevanten Daten der SPNV-Aufgabenträger in NRW zusammengefasst dargestellt und ausgewertet werden. Der erste landesweite Qualitätsbericht beschreibt das Qualitätsniveau des Jahres 2004. Die bislang veröffentlichten SPNV-Qualitätsberichte stehen in der Rubrik News & Downloads im Downloadcenter unter Qualität, Sicherheit & Service zur Verfügung.

Der landesweite Qualitätsbericht beschränkt sich bei der vergleichenden Darstellung der Betriebsqualität notwendigerweise auf die Dokumentation von Pünktlichkeit und Zugausfällen, da die Datengrundlage in den einzelnen Räumen aufgrund unterschiedlicher Regelungen in den Verkehrsverträgen zwischen SPNV-Aufgabenträgern und den Eisenbahnverkehrsunternehmen sehr heterogen ist. Beispielsweise liegen die Toleranzwerte für die Pünktlichkeit je nach Verkehrsvertrag zwischen 0 und 5 Minuten. Seit dem Qualitätsbericht 2009 bleiben die vertraglich vereinbarten Toleranzzeiten unberücksichtigt. Stattdessen wird für alle Linien eine einheitliche Toleranzzeit von 3:59 Minuten angesetzt. Damit sind die Pünktlichkeitsquoten der einzelnen Linien miteinander vergleichbar.

  • Pünktlichkeit: Das Pünktlichkeitsniveau im NRW-Nahverkehr im Jahr 2015 hat sich im Vergleich zum Vorjahr verschlechtert.
    Die Pünktlichkeitsquote der RE-Linien ist von 82,4 % im Jahr 2014 auf 79,4 % im Jahr 2015 gesunken. Besonders niedrig liegt die Pünktlichkeitsquote bei den langlaufenden RE-Linien mit hoher Fahrgastnachfrage: RE 5 Emmerich – Koblenz (59,7 %), RE 1 Aachen – Paderborn (64,9 %), RE 6 Düsseldorf – Minden (68,9 %) und RE 7 Rheine – Krefeld (71,6 %).
    Ebenfalls gesunken ist die Pünktlichkeitsquote der RB-Linien um 1,5 Prozentpunkte auf 88,0 %. Besonders verspätungsanfällig sind hier die RB-Linien 71 Bielefeld – Rahden (69,6 %), 69 Münster – Bielefeld (70,1 % pünktlich) und 24 Köln - Gerolstein (74,0 %).
    Die Pünktlichkeitsquote der S-Bahn-Linien (Rhein-Ruhr/Köln) ist dagegen um 1,5 Prozentpunkte gestiegen und weist nun einen Wert von 93,6 % auf. Die niedersächsischen S-Bahn-Linien mit Zielen in NRW weisen jedoch nur eine Pünktlichkeitsquote von 72,3 % auf.
    Um detaillierte Aussagen über das Zustandekommen der Unpünktlichkeit zu treffen, wird wie im Vorjahr eine Auswertung der Pünktlichkeitsquoten einzelner Streckenabschnitte über feste Messpunkte herangezogen. Insbesondere bei langen Linienverläufen zeigen sich starke Schwankungen in der Pünktlichkeit. Gründe sind meist stark frequentierte Trassen und die Abhängigkeit von der Pünktlichkeit im SPNV-Fernverkehr, Langsamfahrstellen aufgrund von Baustellen und Infrastrukturmängeln sowie externe Störungen wie Stellwerkausfall und Streik.
  • Zugausfall: Seit dem SPNV-Qualitätsbericht 2007 werden neben den nicht vorhersehbaren auch die vorhersehbaren Zugausfälle dokumentiert. Diese Herangehensweise folgt der Auffassung, dass auch planmäßige Ausfälle (z. B. Schienenersatzverkehr wegen Bauarbeiten) zu Qualitätseinbußen führen (zusätzlicher Umstieg, verlängerte Fahrzeit, Komforteinbußen).
    Das Jahr 2015 war aufgrund zahlreicher Baumaßnahmen wie das Vorjahr von einer vergleichsweise hohen Ausfallquote (vorhersehbare Zugausfälle) geprägt. Durch notwendige Streckensperrungen oder die eingeschränkte Nutzungsmöglichkeit einzelner Gleise kam es vermehrt zu unvermeidbaren Zugausfällen. Im Zuge der Inbetriebnahme des Elektronischen Stellwerkes Wuppertal waren bereits in 2014 umfangreiche Baumaßnahmen erforderlich, welche zwischen April und Oktober 2015 fortgeführt wurden. In den Sommerferien wurden zudem umfangreiche Gleiserneuerungen etwa zwischen Düren und Aachen oder Dortmund-Hörde und Holzwickede umgesetzt. Der Ausfall des Stellwerks Mülheim-Styrum Anfang Oktober 2015 bedeutete eine starke Beeinträchtigung für den Verkehr im Ruhrgebiet zwischen Essen und Duisburg.
    Die Quote der nicht vorhersehbaren Zugausfälle ist nach einer Verdopplung im Jahr 2014 im Jahr 2015 weiter gestiegen. Neben punktuell stark verspäteten Zügen sowie Fahrzeug- und Personalengpässen führten im Jahr 2015 insbesondere das Sturmtief Niklas und die Streikphasen der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer im Frühjahr zu einer hohen Zugausfallquote.

Neben der Betriebsqualität wird im Qualitätsbericht auch die landesweite Infrastrukturqualität erfasst.

  • Schienennetz: Um eine umfassende Datengrundlage über die Leistungsfähigkeit der Eisenbahn-Infrastruktur in NRW zu erhalten, wird seit 2009 der Zustand des SPNV-Netzes anhand des „Verzeichnisses der örtlich zulässigen Geschwindigkeiten (VzG)“ sowie der „Verzeichnisse der Langsamfahrstellen (La-Verzeichnis)“ der Infrastrukturbetreiber analysiert. Dokumentiert sind die Ergebnisse für das Jahr 2009 in einem separaten Netzzustandsbericht (2-teilig) sowie seit 2010 im SPNV-Qualitätsbericht. Die monatliche Auswertung der La-Stellen in 2015 hat nur leichte Veränderungen gegenüber 2014 ergeben: die durchschnittliche Anzahl der La-Stellen ist von 48 auf 50 leicht gestiegen und die Länge der La-Stellen von 44 km auf 41 km leicht gesunken. Die Ergebnisse zeigen damit seit Beginn der Analyse im Jahr 2009 die geringsten Beeinträchtigungen. Im Durchschnitt ist weniger als 1 % des gesamten NRW-Streckennetzes von La-Stellen betroffen. In den Qualitätsberichten seit 2010 werden neben der Ursache für die Einrichtung der La-Stellen auch die Planungsstände für deren Beseitigung aufgeführt.
  • Verkehrsstationen: Neben dem Zustand des Schienennetzes ist im Jahr 2015 wie im Vorjahr auch das Erscheinungsbild der Verkehrsstationen hinsichtlich der Kriterien Funktion, Sauberkeit und Graffiti erhoben und bewertet worden. Demnach weisen derzeit 102 der 755 untersuchten Stationen ein nicht akzeptables Erscheinungsbild auf. Der Anteil dieser Stationen liegt mit rund 13 % im Jahr 2015 auf etwa gleichem Niveau wie im Vorjahr.

Weiterhin informiert der landesweite Qualitätsbericht über die in Ausschreibungsverfahren vergebenen SPNV-Netze in NRW und gibt weitere Einblicke zur Qualität im SPNV in NRW (z.B. Auswertungen der Schlichtungsstelle Nahverkehr zu eingegangenen Kundenbeschwerden, Kundenzufriedenheit im SPNV).

Akteure

Das Land NRW hat im Jahr 2004 die Erstellung eines jährlichen Qualitätsberichts für den SPNV in NRW initiiert und unterstützt seitdem die Erstellung der landesweiten Qualitätsberichte.

Die Federführung für die Erstellung der landesweiten Qualitätsberichte zur Betriebsqualität lag bis zum SPNV-Qualitätsbericht 2010 beim VRR.

Das Kompetenzcenter ITF NRW, angesiedelt beim NWL am Standort Bielefeld, hat im Auftrag des Landes in Zusammenarbeit mit VRR und NVR den Netzzustandsbericht NRW 2009 und den SPNV-Qualitätsbericht NRW 2010, Teil 1: Langsamfahrstellen-Monitoring erstellt.

Seit 2011 ist das Kompetenzcenter ITF NRW mit der Erstellung des gesamten SPNV-Qualitätsberichtes NRW betraut.

Die SPNV-Aufgabenträger VRR, NVR und NWL veröffentlichen für ihr Verbandsgebiet regionale Berichte zur SPNV-Qualität, die teilweise eine weitergehende Differenzierung aufweisen. Dabei handelt es sich beispielsweise um die Berücksichtigung "weicher" Kriterien, die durch „Profitester“ und Kundenzufriedenheitsuntersuchungen erhoben werden, die die Qualität der Fahrgastinformation, den Zustand der Fahrzeuge, das Zugbegleitpersonal und die Situation an den Bahnhöfen betreffen. Darüber hinaus erstellen VRR und NVR zur Qualität der SPNV-Stationen jährlich einen eigenständigen Stationsbericht.

Probleme und Aufgaben

NRW ist noch entfernt von zufriedenstellenden Pünktlichkeitswerten (Zielmarke: 95% und besser). Fest verankerte Qualitätsstandards der Verkehrsverträge, die Pönalen (Vertragsstrafen) bewehrt sind, haben in den vergangenen Jahren jedoch wesentlich dazu beigetragen, das Qualitätsniveau im SPNV zu steigern. Das lässt sich NRW-weit im Zusammenhang mit der Inbetriebnahme der im Wettbewerb vergebenen Linien und Teilnetze beobachten.

Darüber hinaus sind weitere maßgebliche Investitionen in die Schieneninfrastruktur notwendig, die durch den Mischbetrieb von Fern-, Nah- und Güterverkehr punktuelle Engpässe aufweist und so oftmals einem reibungslosen Betriebsablauf entgegensteht. Einen Beitrag zur Ermittlung von Mängeln in der Infrastruktur können der für das Jahr 2009 zum ersten Mal erarbeitete Netzzustandsbericht NRW sowie die in Folge veröffentlichten SPNV-Qualitätsberichte leisten. Durch die Infrastrukturmaßnahmen im Zuge der Einführung des Rhein-Ruhr-Express (RRX) wird eine deutliche Verbesserung des Betriebsablaufs auf der Achse Köln - Düsseldorf - Essen - Dortmund - Hamm erwartet.

Die Fortführung der Modernisierungsoffensive der Verkehrsstationen (aktuell MOF 2 und MOF 3 sowie die Modernisierungsmaßnahmen an den RRX-Außenästen) trägt dazu bei, die Stationsqualität flächendeckend zu steigern.

Auch ist auf Grundlage der linienspezifischen Ergebnisse der Qualitätsberichte die Disposition an den neuralgischen Knotenbahnhöfen durch die Infrastrukturbetreiber zu überprüfen, um beispielweise im Verspätungsfall auf klar definierte Regularien der Betriebsdurchführung zurückgreifen zu können.

Zur Verbesserung der Qualität im SPNV rückt der Abbau des zunehmenden Personalmangels im Fahrbetrieb immer stärker ins Blickfeld. So sind verstärkt auftretende, nicht vorhersehbare Zugausfälle festzustellen, die durch den Ausfall von Triebfahrzeugführern sowie Fahrdienstleitern bedingt sind. Weiterhin sind durch eine verlässliche und zeitgerechte Bereitstellung der Fahrzeuge Anfangsverspätungen, die sich im Fahrtverlauf aufaddieren können, vermeidbar. Der konsequente Einsatz spurtstarker Fahrzeuge mit ausreichenden Kapazitäten wiederum kann Abhilfe schaffen, Verspätungen im Fahrtverlauf zu reduzieren.

Damit Fahrpläne in der Praxis einzuhalten sind, müssen ausreichende Pufferzeiten und erhöhte Fahrgastwechselzeiten auf stark frequentierten Streckenabschnitten berücksichtigt werden.


 

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