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Mehr Zug zum Tor: Fußballfanreiseverkehre

Der zweite Teil des 4. ÖPNV Sicherheitskongresses NRW drehte sich um das Thema Fußballfanreiseverkehre. Vertreter der ÖPNV-Branche, der Polizei sowie DFB und DFL diskutierten über Maßnahmen, mit denen eine konfliktfreie An- und Abreise der Fans zu Spielen sichergestellt werden kann. Dabei nahm das Thema Fußball-Zusatzzüge einen besonderen Stellenwert ein.   

Aufgrund des stark angestiegenen Fanreiseverkehrs fühlen sich Bahnreisende in ihrem Sicherheitsempfinden zunehmend gestört. Unter den Fußballfans befinden sich einige Störer, die immer häufiger für gewalttätige Auseinandersetzungen und Vandalismusschäden im Bereich des ÖPNV auffallen und durch ihr zum Teil aggressives Verhalten die Attraktivität von Bussen und Bahnen zunehmend einschränken. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, werden innerhalb Nordrhein-Westfalens bereits seit einiger Zeit separate Züge eingesetzt, die Fußballfans zu Spielen bringen. Das Kompetenzcenter Sicherheit NRW hat in Zusammenarbeit mit weiteren Akteuren nun die bundesweite Ausweitung der Maßnahme im Rahmen eines Pilotprojektes getestet und die Ergebnisse beim 4. ÖPNV Sicherheitskongress NRW vorgestellt.

Rahmendaten des Projekts

Insgesamt 23 länderübergreifende Fußballzüge wurden im Rahmen des Pilotprojekts realisiert. Sie boten eine Direktverbindung zwischen geeigneten Bahnhöfen am Heimatort des Vereins und Bahnhöfen an Spielorten außerhalb NRWs. Durch den Einsatz der Züge wurden die Fahrgastströme separiert – Fans verschiedener Vereine konnten auf ihrem Reiseweg nicht aufeinandertreffen, wodurch es zu weniger Ausschreitungen kam. Um Konfliktpotentiale zu mindern, wurde auf eine Polizeibegleitung verzichtet. Stattdessen sorgten Fanbetreuer während der Fahrt für eine harmonische Atmosphäre in den Waggons und profitierten dabei von ihrem besonderen Draht zu den Reisenden.  

Maßnahmen zur Verbesserung

Neben den dargelegten positiven Auswirkungen machte das Pilotprojekt auch auf Verbesserungsmöglichkeiten aufmerksam. So ist unter anderem ein größerer zeitlicher Rahmen bei der Planung der Züge erforderlich, um eine frühzeitige Feinabstimmung mit den Vereinen zu gewährleisten. Zur Steigerung der Akzeptanz und Verbesserung des Angebots sollten die detaillierten Fahrpläne den Fans zudem frühzeitig zugänglich gemacht werden. Darüber hinaus sollte an einer pünktlichen und verlässlichen Bereitstellung der Züge sowie an ausreichenden Kapazitäten, verbessertem Zugmaterial und funktionstüchtigen Toiletten gearbeitet werden. „Nicht zuletzt ist eine stärkere Übernahme von Verantwortung durch die Fans wünschenswert, die sich beispielsweise in der Wahrnehmung von Gestaltungsspielräumen durch Getränkeverkauf, Catering oder Verteilung von Flyern widerspiegeln kann“, erläuterte Martina Weinknecht, Leiterin des KCS.

Meinungen zur bundesweiten Ausdehnung  

Beim 4. ÖPNV Sicherheitskongress NRW sprach sich ein Großteil der Vertreter von ÖPNV, DFB/DFLund Polizei für eine Ausweitung der Fußball-Zusatzverkehre auf Bundesebene unter Beachtung der ermittelten Verbesserungsmaßnahmen aus. Viele sehen dabei gerade eine enge Zusammenarbeit mit den Fußballvereinen als zentrales Erfolgsmerkmal. Eine konkrete Antwort auf die Finanzierungsfrage konnte bei der Veranstaltung jedoch nicht gefunden werden. Aus diesem Grund hatte bereits die letzte Verkehrsministerkonferenz die Initiative aus NRW, Fußball-Zusatzzüge bundesweiten auszuweiten, abgelehnt. „Wir brauchen separate Fußballfanverkehre und eine Cent-Spielerei darf nicht zu Sicherheitsproblemen führen“, sagte NRW-Verkehrsminister Michael Groschek und machte damit seinen Standpunkt unmissverständlich deutlich. Er gab an, das Thema auch in Zukunft offensiv anzugehen, sich mit den beteiligten Akteuren an einen Tisch zu setzen und eine gemeinsame Lösung zu finden.   

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