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Auf dem Weg zum Mobilitätsverbund – Rahmenbedingungen für eine multimodale Vernetzung

Die Vision ist deutlich umrissen: der öffentlichen Nahverkehr als Dirigent einer multimodalen Mobilität.  Doch wie lässt sich diese Vision realisieren? Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) nennt in einem Positionspapier von 2013 interne und externe Rahmenbedingungen, die erfüllt sein müssen, möchte der Nahverkehrssektor seinen Wettbewerbsvorteil in eine Vorreiterrolle bei der Vernetzung von Multimodalität ummünzen. Dass die Forderung zwei Jahre nach der Veröffentlichung nach wie vor aktuell sind, unterstreicht den Handlungsbedarf.

  • VDV-Positionspapier: ÖV-Unternehmen müssen führende Rolle bei der Vernetzung multimodaler Mobilität übernehmen.
  • Notwendig sind institutionelle, technologische, rechtliche, finanzielle und planerische Rahmenbedingungen.
  • Eine Vernetzung setzt ein unternehmerisches Umdenken voraus: Neue Angebote sind weniger Konkurrenz, sondern Teil eines Gesamtsystems.
  • Das heißt auch: Mobilitätsdienstleister müssen auch im Digitalen zusammenwachsen.
  • Die Weiterentwicklung von Mobilität ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, Politik und Verwaltung sind ebenfalls gefragt.

„Verkehrsunternehmen müssen sich aktiv zusammentun, um eine zentrale Funktion im zukünftigen Mobilitätsnetzwerk zu übernehmen“, gibt Dr. Till Ackermann die Losung vor. Als VDV-Fachbereichsleiter für Volkswirtschaft und Business Development zeichnet er mitverantwortlich für das VDV-Positionspapier mit dem Titel „Der ÖPNV: Rückgrat und Motor eines zukunftsorientierten Mobilitätsverbundes“.

Hintergrund sind die zunehmenden Herausforderungen, denen sich der Nahverkehr zu stellen hat: Energiewende, Mobilität als Grundvoraussetzung sozialer Teilhabe und Garant für Lebensqualität, aber vor allem die Digitalisierung von Mobilität, die verstärkte Marktpräsenz von CarSharing-Anbietern, insbesondere aus dem free-floating Segment wie car2go, und das veränderte Mobilitätsverhalten von immer mehr Menschen erfordern eine nachhaltige Strategie.

„Als wir das Papier vor zwei Jahren veröffentlichten, herrschte um das Thema multimodale Mobilität ein politischer Hype. Die Diskussionen bewegten sich jedoch verstärkt auf der operativen, weniger auf der strategischen Ebene“, erinnert sich Till Ackermann. Das Positionspapier ist der Versuch, eine gemeinsame Arbeitsgrundlage zu schaffen, indem Rahmenbedingungen für das Gelingen einer multimodalen Vernetzung im Sinne individueller Kundenbedürfnisse definiert werden.

Vom Verkehrs- zum Mobilitätsverbund: institutionelle Rahmenbedingungen

Den Verkehrsunternehmen- und verbünden kommt in diesem Konzept – wenig überraschend – eine zentrale Rolle zu: Ziel ist es, die Mobilitätsdienstleistungen unter dem Dach des ÖPNV zu bündeln. Gleichwohl betrachtet der VDV dezidiert die gesetzlichen Voraussetzungen für die Weiterentwicklung und Integration von CarSharing- und Fahrradverleih-Angeboten. Im Umdenken liegt der erste Schlüssel zur Multimodalität: Neue Angebote sind weniger als Konkurrenzprodukte zu betrachten, sondern als Teil eines Gesamtsystems, das seine Grundlage in einem gut ausgebauten Nahverkehr besitzt.  Die ÖV-Branche weiß, wie Mobilität organisiert wird, sie kennt die Akteure und Gegebenheiten vor Ort und verfügt zudem über eine breite Kundenbasis, die für Anbieter ergänzender Dienste interessant ist. Multimodale Mobilität ist demnach ein Gewinn für alle Beteiligten: Sowohl für Kunden und die Allgemeinheit, als auch für den ÖPNV und die neuen Anbieter.

Eine Mobilitätsplattform für alle: technologische Rahmenbedingungen

Ein Mobilitätsnetzwerk benötigt eine angebotsübergreifende Plattform, die Informationen, Zugang und Bezahlung vereinheitlicht. Bislang hat der Druck der zunehmenden Digitalisierung dazu geführt, dass jedes Unternehmen und jeder Anbieter eine eigene App vertreibt. „Wer multimodale Mobilität fördern will, muss alle Leistungen auf einer Plattform vereinen. Ziel einer Auskunft muss es sein, die unterschiedlichen Varianten der infrage kommenden Verkehrsmittel auf einer bestimmten Relation von A nach B abzubilden“, erklärt Dr. Till Ackermann.

Mobilität als gesamtgesellschaftliche Aufgabe: rechtliche Voraussetzungen

Die Weiterentwicklung von Mobilität ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Kommunen, Länder und Bund sind gefragt, rechtliche Hemmnisse auszuräumen. „Beispielsweise ist es in Deutschland bislang nicht möglich, öffentlich zugänglich Parkplätze zu CarSharing-Stellplätzen umzuwidmen.  Solange ich mein in Duisburg gechartertes Auto nicht ohne weiteres in Dortmund parken kann, helfen die Bemühungen alle nichts“, so der VDV-Experte. Gleichzeitig ist die Politik aufgefordert, einseitige Maßnahmen wie die Freigabe von Busspuren für den Individualverkehr oder kostenlose Parkmöglichkeiten in der Innenstadt zu überdenken. „Derartige Maßnahmen sind kontraproduktiv, weil sie den Autoverkehr begünstigen und zu Lasten der Umwelt gehen. Ziel muss es gerade sein, das Auto im innerstädtischen Bereich überflüssig zu machen “, so Ackermann.

In Multimodalität investieren: finanzielle Rahmenbedingungen

Nur ein starker Nahverkehr ist eine starke Basis für multimodale Mobilität. Insofern ist die Finanzierungssicherung für den öffentlichen Nahverkehr von elementarer Bedeutung. Darüber hinaus bedarf es Förderprogramme – und das nicht nur für einzelne Pilotprojekte. Ackermann: „In Deutschland gibt es eine Forschungsfinanzierung. Diese Gelder sind für die Entwicklung vorgesehen, nicht aber für die Einführung von flächendeckenden Standards.“  

Langfristig denken: planerische Rahmenbedingungen

Multimodale Mobilität muss sich auch im Stadtbild niederschlagen. Haltestellen und Bahnhöfe müssen künftig von vornherein als gemeinsame Knotenpunkte für Bus und Bahn sowie für CarSharing- und Fahrradverleihdienste geplant werden. Die Aufstellung von kommunalen Aktionsplänen und die Berücksichtigung von multimodalen Maßnahmen in Nahverkehrs-, Luftreinhalte- oder Bebauungsplänen stärken die Idee von einer übergreifenden Mobilität zusätzlich.

Hier geht es zum Positionspapier des VDV.

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