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Das kleine 1x1 der multimodalen Mobilität

/ Multimodaler Verkehr

Beim multimodalem Verkehr wird nach individuellen Kriterien für jeden Weg das jeweils geeignete Verkehrsmittel genutzt. So legen Personen den Weg zur Arbeit mit dem Fahrrad zurück, transportieren den Einkauf mit dem Carsharing-Fahrzeug und fahren mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu Abendveranstaltungen. Ausgangspunkt für die Entwicklung hin zu neuen Mobilitätsformen bildet das wachsende Mobilitätsbedürfnis in Ballungsräumen sowie die abnehmende Bedeutung des eigenen Pkw, gerade im Leben jüngerer Verkehrsteilnehmer. Der multimodale Verkehr unterscheidet sich vom intermodalen Verkehr insofern, als dass eine fixe, von einem System festgelegte Wegeführung nicht gegeben ist. Stattdessen wägt der Nutzer entsprechend seiner individuellen Bedürfnisse ab und entscheidet sich spontan für die jeweils passende Fortbewegungsform.

/ Bausteine multimodaler Mobilität

Die Kombination von Bus, Bahn und kurzen Fußwegen zum Bestimmungsort wird den gesteigerten Ansprüchen an Mobilitätsangebote häufig nicht mehr gerecht. Dementsprechend ist es wichtig, dem Nutzer weitere Bausteine im Sinne einer erweiterten Mobilität anzubieten. Dazu zählen neben bereits etablierten Angeboten im Bereich Carsharing und Fahrradverleih auch die Nutzung von Taxis sowie die Stärkung und Integration von Mitfahrzentralen in Form von Mobilitätspaketen. Derartige Angebote müssen für den Kunden individuell kombinierbar, transparent und finanziell attraktiv sein. Von besonderer Relevanz sind ein zentraler Zugriff, umfassende Information sowie die Abwicklung aus einer Hand. Dementsprechend gilt es für die Verkehrsanbieter, eine gemeinsame Plattform zu schaffen, über die der Endverbraucher Dienste individuell in Anspruch nehmen kann.

/ Carsharing

Der englische Begriff nimmt zunächst lediglich Bezug auf die gemeinsame Nutzung eines Fahrzeuges und schließt sowohl den geteilten Gebrauch im familiären Rahmen als auch die kostenpflichtige Weitergabe eines Pkw durch Privatpersonen oder Institutionen ein. Um Rechtssicherheit zu schaffen, verabschiedete der Verkehrsausschuss des Deutschen Bundestags 2013 eine gültige Definition des relativ modernen Entwicklung: „Car-Sharing-Fahrzeuge sind Kraftfahrzeuge, die einer unbestimmten Anzahl von Fahrerinnen und Fahrern auf der Grundlage einer Rahmenvereinbarung zur selbstständigen Nutzung nach einem die Energiekosten mit einschließenden Zeit- und/oder Kilometertarif angeboten werden.“ Im Gegensatz zur Nutzung von Mietwagen ist beim Carsharing eine einmalige Registrierung beim Anbieter notwendig, die anschließend eine kurzfristige und flexible Buchung ermöglicht.

/ Carpooling

Beim Carpooling nutzen sowohl Pendler als auch Gelegenheitsreisende die Möglichkeit, für private oder arbeitsbezogene Fahrten Gemeinschaften zu bilden. Ähnlich wie beim Carsharing gibt es unterschiedliche Ausprägungen des Carpoolings, beispielsweise im familiären Rahmen oder als Fahrgemeinschaft unter Kollegen. Aber auch Reisende, die regelmäßig oder einmalig eine bestimmte Strecke unabhängig vom ÖPNV zurücklegen wollen, können sich zu Gemeinschaften zusammentun. Die Nutzung von privaten Pkw durch mehr als nur eine Person reduziert zum einen die individuellen Reisekosten, zum anderen gilt Carpooling als nachhaltige Maßnahme, um Emissionen zu verringern. Organisiert werden derartige Angebote primär über Internetportale, über die sich Fahrer (hier gleichzeitig Fahrzeughalter) und Mitfahrer vernetzen und abstimmen. Solche Online-Mitfahrzentralen koordinieren in der Regel lediglich Abfahrtszeit sowie Bestimmungsort der Reise. Die Abrechnung erfolgt von Privatperson zu Privatperson und ist nicht institutionell reglementiert.

 / Fahrradverleihsysteme

Öffentliche Fahrradverleihsysteme sind eine durch Unternehmen oder Kommunen eingerichtete Variante des klassischen Fahrradverleihs. Ausgerichtet auf die Bewältigung kurzer Strecken im urbanen Raum haben sich diverse Anbieter in den vergangenen Jahren mit dieser Alternative zum eigenen Fahrrad etabliert. Stationen für die Mitnahme und Rückgabe der Räder befinden sich in der Regel an stark frequentierten Verkehrsknotenpunkten, an denen, im Sinne der multimodalen Mobilität, ein nahtloser Anschluss an den ÖPNV gewährleistet ist. Nach der einmaligen Anmeldung auf der Plattform des jeweiligen Betreibers können die Räder durch die Eingabe eines PINs entsperrt und beliebig bewegt werden. Abgerechnet wird nach Fahrt- beziehungsweise Nutzungszeit bis zur Rückgabe des Rades an einer entsprechenden Station am Bestimmungsort.

 / Elektromobilität

Der Begriff der Elektromobilität bezeichnet grundsätzlich die Nutzung von Fahrzeugen, die von einem Elektromotor angetrieben werden und ihre Energie überwiegend über ein externes Stromnetz beziehen. Im Zusammenhang mit multimodalen Mobilitätsangeboten kommt die Elektromobilität in erster Linie im Hinblick auf Carsharing-Angebote zum Tragen. Die Angebote zeichnen sich aufgrund der verringerten Emissionen vor Ort durch ihre Umweltverträglichkeit aus und bieten sich gerade in Kombination mit Angeboten des öffentlichen Verkehrs als nachhaltige Alternative zum motorisierten Individualverkehr an. Aktuell stehen die hohen Anschaffungskosten der Fahrzeuge einem wirtschaftlichen Betrieb im Wege, sodass E-Carsharing-Angebote primär im Rahmen von staatlich geförderten Pilotprojekten zum Einsatz kommen. Studien zufolge bietet die Kombination von E-Carsharing und ÖPNV jedoch vor allem mittel- und langfristig ein hohes Nutzungspotenzial.

/  Multimodale Kompetenzen

Neben rein praktischen Faktoren, die Einfluss auf die Wahl der Verkehrsmittel nehmen, beispielsweise Wohn- oder Arbeitsort, spielen auch individuelle Faktoren eine Rolle. Der Erwerb sogenannter Mobilitätskompetenzen ist laut Wissenschaftlern ein lebenslanger Prozess und steht in Abhängigkeit von Sozialisierung, gesellschaftlichen Bedingungen und persönlichem Hintergrund. Aufgrund der Vielschichtigkeit und Komplexität multimodaler Systeme bedarf es hier einer besonders hohen Mobilitätskompetenz seitens des Angebotsnutzers. Die konstante Vernetzung junger und berufstätiger Menschen via Smartphone, Tablett oder PC, die Bereitschaft zur selbstständigen Auseinandersetzung mit einer großen Angebotsvielfalt (sofern diese gewinnbringend ist) sowie ein gesteigertes Bewusstsein für umweltfreundliche Verkehrswege begünstigt die Ausbildung multimodaler Kompetenzen und schafft eine wichtige Grundlage für den Ausbau der entsprechenden Systeme.

/ Modal Split

Der Begriff stammt aus dem Bereich der Verkehrsstatistik und beschreibt die Verteilung des Verkehrsaufkommens auf verschiedene Verkehrsmittel. Ein weiterer gebräuchlicher Terminus für die Beschreibung des Mobilitätsverhaltens von Personen ist die „Verkehrsmittelwahl“. Neben der Nutzung von Auto oder öffentlichem Nahverkehr werden im Zusammenhang mit dem Personenverkehr auch Wege berücksichtigt, die zu Fuß oder mit dem Rad zurückgelegt werden. Die Verkehrsteilung wird von einer ganzen Reihe von Faktoren beeinflusst: Technische Neuerungen, Infrastrukturprojekte, politische Regulierungsmaßnahmen, wirtschaftliche Rahmenbedingungen aber auch saisonale Faktoren wirken sich auf die Verkehrsmittelwahl aus. Der Modal Split kann auf verschiedenen Ebenen betrachtet werden, etwa bundesweit, regional, kommunal oder aber individuell.

/ Intelligente Verkehrssysteme (IVS)

Intelligente Verkehrssysteme sind Anwendungen aus dem Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie, die verkehrsbezogene Daten erfassen, übermitteln und verarbeiten. Ziel derartiger Systeme ist es, die bestehende Infrastruktur (auch angesichts des prognostizierten Verkehrswachstums) ideal zu nutzen und unterschiedliche Verkehrsmittel im Sinne der multimodalen Mobilität miteinander zu vernetzen. Durch IVS können Verkehrsströme gelenkt und organisiert und die Mobilitätsqualität für den Endnutzer erhöht werden. Voraussetzung für einen maximalen Nutzen derartiger Systeme ist die Vernetzung und Vereinheitlichung der IVS der unterschiedlichen Verkehrsträger. Beispiele im ÖPNV sind die Dynamische Fahrgastinformation oder auch Smart-Ticketing-Angebote, auch im Individualverkehr spielt die Bereitstellung von Echtzeit-Verkehrsinformationen (Real Time Traffic Information – RTTI) eine wichtige Rolle.

/ Smart Mobility

Unter Smart Mobility versteht man die intelligente Verbindung der Verkehrsträger in Städten. Ziel ist es, eine vom Nutzer gesteuerte, individuelle und multimodale Mobilität zu ermöglichen, die darüber hinaus energieeffizient, sicher, komfortabel und kosteneffizient ist. Hierbei steht nicht die Verbesserung der Infrastruktur im Fokus, sondern die optimierte Nutzung bereits vorhandener Angebote durch den Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien (siehe Intelligente Verkehrssysteme). Von besonderer Relevanz ist in diesem Zusammenhang die verkehrsträgerübergreifende Information und Bezahlung, die nur durch die Einführung von Mobilitätsplattformen gewährleistet werden kann. Über diese wird neben den Angeboten des ÖPNV auch die Nutzung von Carsharing- oder Leihfahrradsystemen abgewickelt.

Einen Überblick über Projekte gibt das InnoZ.

/ Mobilitätsmanagement

Um innovative Konzepte im Rahmen der multimodalen Mobilität zu entwickeln und in die Realität umzusetzen, bedarf es eines konstruktiven und fachübergreifenden Austauschs. Angesiedelt bei Kommunen und verstärkt auch bei Verkehrsverbünden widmen sich Fachbereiche „Mobilitätsmanagement“ der Vernetzung von Mobilitätsprovidern und Nutzern, etwa Verkehrsanbietern, Städten, Betrieben und Schulen. Auch vor dem Hintergrund neuer Mobilitätsformen ist es das Ziel, ÖPNV, Fuß- und Radverkehr, Carsharing und Fahrgemeinschaften lokal und regional zu stärken. Die Grundlage für den Ausbau kundenorientierter multimodaler Dienstleistungsangebote soll durch einen intensiven Austausch von Informationen und Erfahrungen, sprich einen regen Wissenstransfer, geschaffen werden.

Ein Beispiel ist das Mobilitätsmanagement des Verkehrsverbundes Rhein-Sieg (VRS).

 / Mobilitätsprovider

In seiner Auslegung auf die Massenmobilität kann der ÖPNV nicht jedem individuellen Mobilitätsbedürfnis gerecht werden. Ein universeller Mobilitätsprovider, der neben Bussen und Bahnen auch Carsharing, Leihfahrradsysteme und Taxinutzung umfasst und aus den entsprechenden Bausteinen Pakete für seine Kunden aus einer Hand anbietet sowie vermarktet, ist bislang nur in Ansätzen erkennbar. Aufgrund der starken internen und externen Vernetzung und den etablierten Vertriebsstrukturen der Verkehrsverbünde, ist es denkbar, auch ergänzende Mobilitätsangebote in die bestehenden Systeme zu integrieren. Auf diese Weise könnten umfassende Mobilitätsverbünde entstehen, die Leistungen aller Sparten aufeinander abstimmen und aus einer Hand vermarkten. Den Institutionen des ÖPNV würde auf diese Weise eine Schlüsselrolle als Mobilitätsprovider im Rahmen der multimodalen Mobilität zukommen.

/ Shared Space 

So genannte Begegnungszonen sollen in Städten zur Verbesserung der Verkehrsverhältnisse beitragen. Zentrales Merkmal im Rahmen dieser Planungsphilosophie ist der Gedanke der uneingeschränkten Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer. Unter Einhaltung der Vorfahrtsregelung wird auf weitere regulierende Maßnahmen wie etwa Ampeln, Fahrbahnmarkierungen oder Verkehrszeichen vollständig verzichtet. Während verkehrsberuhigte Bereiche vorwiegend in Nebenstraßen und Wohngebieten zu finden sind, können auch Hauptstraßen als Shared Spaces ausgewiesen werden. Die Betonung des sozialen Miteinanders der motorisierten und nicht-motorisierten Verkehrsteilnehmer soll zu einer Verbesserung des allgemeinen Verkehrsklimas im Sinne von gegenseitiger Rücksichtnahme und gesteigerter Sicherheit beitragen. Während das Modell weltweit bereits Einsatz findet, gibt es in Deutschland bislang nur wenige Maßnahmen, die dem Prinzip der Begegnungsräume entsprechen.

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