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Social Media-Recruiting – Die Zukunft der Personalgewinnung?

Illustration zum Thema Social Media-Recruiting

Xing, Facebook, Twitter und Co. – Soziale Netzwerke eignen sich nicht nur für die Freizeitgestaltung. Heutzutage nutzen immer mehr Unternehmen die Online-Plattformen, um Personalakquise zu betreiben. Gerade zu Zeiten des Fachkräftemangels erfreut sich das Social Media-Recruiting großer Beliebtheit, aber inwieweit ist es für die Nahverkehrsbranche interessant und wie genau geht man ein solches Projekt an?
Eine Handlungsempfehlung.

Bis 2020 werden im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) 30.000 Jobs neu besetzt – so prophezeit es der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV). Der hohe Bedarf an geeignetem Personal liegt zum einen an der steigenden Nachfrage im ÖPNV, zum anderen am Fachkräftemangel auf dem deutschen Arbeitsmarkt, der vor allem auf eine Ursache zurückzuführen ist: „Wie andere Dienstleistungs- und Wirtschaftsbranchen auch, stehen die Verkehrsunternehmen vor der Aufgabe, die Auswirkungen des demografischen Wandels zu meistern. 39 Prozent der Arbeitnehmer im ÖPNV sind älter als 50 Jahre und werden in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen“, erläutert Michael Weber-Wernz, Geschäftsführer der VDV-Akademie.

Kampf um Talente
Wenn die ÖPNV-Branche ihre Spitzenposition halten will, müssen potentielle Bewerber durch gezielte Akquise auf die Stellenangebote aufmerksam gemacht werden. Einen relativ neuen Recruiting-Kanal stellt das Social Media-Recruiting dar, bei dem die Jobangebote dort publiziert werden, wo die potentiellen Bewerber sich häufig aufhalten: in sozialen Netzwerken. Laut der Wirtschaftsjournalistin und Dozentin für Internetthemen an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz Bettina Blaß ist zwischen drei Formen des Social Media-Recruitings zu unterscheiden: Zum Ersten haben Unternehmen die Möglichkeit, ihre Stellenangebote als Werbeanzeigen in sozialen Medien zu platzieren. Zum Zweiten kann ein Recruiting-Profil angelegt werden, über das lediglich die freien Stellen gepostet werden. Zum Dritten können Unternehmen über ein erstelltes Profil nicht nur Jobangebote publizieren, sondern auch das Unternehmen präsentieren und Imagepflege betreiben – die laut Blaß erfolgversprechendste Variante.

Anteil am Erfolg
„Social Media Recruiting wird in den nächsten Jahren vermehrt die Arbeit in den Personalabteilungen bestimmen“, ist Blaß überzeugt. „Über Plattformen wie Xing, Facebook, Twitter und Co. kann ich meine Jobangebote nämlich recht schnell verbreiten und die Streuverluste sind gerade bei einem Recruting-Kanal gering.“ Darüber hinaus bestehe die Möglichkeit, mit den Nutzern in den Dialog zu treten, sie aktiv anzusprechen und nebenbei Imagepflege zu betreiben. „Versehe ich die gepostete Stellenausschreibung mit einem Link zu der Unternehmenswebsite oder dem Unternehmens-Jobportal, erzeuge ich zudem Traffic auf meinen eigenen Seiten. Laut dem Social Media Recruiting Report, durchgeführt vom Institute for Competitive Recruiting im ersten Halbjahr 2013, wird schon heute jede zehnte Stelle in Deutschland mit Hilfe von Sozialen Medien besetzt.

Nichts für Kurzentschlossene
Als ÖPNV-Unternehmen jetzt Hals über Kopf einen Recruiting-Kanal in den sozialen Netzwerken anzulegen, sei aber der falsche Schritt, so Blaß. Zuvor bedürfe es reichlicher konzeptioneller Überlegungen: „Man muss Ziele und Strategien entwickeln, das Vertrauen von Geschäftsführern und Entscheidern gewinnen, Richtlinien festlegen und das Ganze langsam angehen“, empfiehlt die Wirtschaftsjournalistin. Ein guter Anfang wäre es, Auszubildende und Praktikanten mit ihrem frischen Blick eine Art Redaktionsplan mit Inhalten erstellen zu lassen, die dann über die anzulegenden Kanäle gestreut werden können. Von Stellenausschreibungen über Berichte von Mitarbeiterveranstaltungen bis hin zu Videos, in denen die Angestellten einen Einblick in ihren Arbeitsalltag geben, ist vieles möglich. Laut Blaß ist es aber blauäugig zu glauben, Social Media-Recruiting sei besonders kostengünstig. „Die Pflege der Kanäle und die Interaktion kostet viel Zeit und dementsprechend Personal. Man kann es nicht einfach nebenherlaufen lassen.“ Mit positivem Beispiel gehen ihrer Meinung nach vor allem die Züricher Verkehrsbetriebe voran, aber auch die Recruiting-Kanäle der Stadtwerke München  und auch einige Aktivitäten der Kölner Verkehrsbetriebe können sich durchaus sehen lassen.

Auf den Mix kommt es an
Bei aller Attraktivität der sozialen Medien im Hinblick auf die Mitarbeiterakquise, sollte man sich niemals allein auf diese Maßnahme verlassen. „Aktivitäten können nur im Rahmen eines konzertierten Maßnahmenpakets ihre Wirkung entfalten“, ist auch Michael Weber-Wernz  von der VDV-Akademie überzeugt. „Zu einem solchen Maßnahmenpaket zählt nicht nur die Nutzung der neuen Medien, insbesondere der Social Media-Angebote, sondern auch die professionelle Darstellung der Unternehmen im Internet, verstärkte Konzentration auf die betriebliche Erstausbildung, Kooperationen mit Hochschulen, die Teilnahme an Berufsbildungsmessen und Personalbörsen und vieles mehr.“

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