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Service & Organisation

Erste Straßenbahnstrecke im BOGESTRA-Betriebsgebiet seit mehr als 45 Jahren erweitert

17.10.2017

Die erste Straßenbahnstrecke im BOGESTRA-Betriebsgebiet seit mehr als 45 Jahren ist erweitert, Langendreer als bedeutender Stadtteil Bochums an das Schienennetz der BOGESTRA angebunden. Nach rund 20 Jahren Planung und fünf Jahren Bauzeit ist seit Samstag, 7. Oktober 2017, das erste Teilstück der Linienerweiterung 302/310 eröffnet. Die Haltestelle Langendreer S wird nun von Gelsenkirchen-Buer über Wattenscheid, Bochum Hbf und Langendreer Markt kontinuierlich mit Straßenbahnen der neuesten Generation angefahren. Mehr noch: Das Leitungsnetz ist erneuert, der Verkehrsraum ist neu gestaltet und die Oberflächen erstrahlen in frischem Glanz.

Um 11 Uhr am Samstag, 7. Oktober 2017, hat die BOGESTRA gemeinsam mit ihren Baupartnern die Teilstrecke des Großprojekts „Linie 310 – Gutes verbinden“ mit einem großen Fest auf dem Marktplatz in Langendreer eröffnet. Die Technische Aufsichtsbehörde NRW (Bezirksregierung Düsseldorf) hat den Bau der neuen Strecke fortlaufend begleitet und war am Tag des ersten Linienbetriebs, am 7. Oktober, ebenfalls vor Ort. Die Feierlichkeiten haben mit der Taufe einer Variobahn auf den Namen „Langendreer“ begonnen. Prominente Taufpaten waren Bochums Oberbürgermeister Thomas Eiskirch und Bezirksbürgermeisterin Andrea Busche. Der Stadionsprecher des VfL Bochum, Michael Wurst, hat die Moderation der Veranstaltung im Festzelt übernommen.

Das BOGESTRA-Musikkorps und die hauseigenen Band „Gleis 38“ sorgten für die musikalische Unterhaltung. Außerdem stand Comedy mit Esther Münch als „Reinigungsfachkraft Waltraud Ehlert“ und Varieté-Theater mit „et cetera“ auf dem Programm. Für die Kinder gab es unter anderem eine Hüpfburg und die BOGESTRA-Kinderfahrschule.

Ein paar Zahlen
Der Entschluss, im Sinne der Kunden zuerst ein rund 2,6 Kilometer langes Teilstück der 5,6 Kilometer langen Gesamtstrecke zu eröffnen, wurde bereits im Frühjahr 2013 getroffen. Die Gesamtmaßnahme wird voraussichtlich Ende 2019 fertiggestellt sein, bis dahin wird die bisherige Streckenführung der Linie 310 natürlich weiter bedient.

Baubeginn war im September 2012, der erste Bauabschnitt „Langendreer Hauptstraße“ wurde zwischen Elsterstraße und Stiftstraße eingerichtet, parallel startete ein weiterer Bauabschnitt in Witten. Auf der westlichen Seite der Hauptstraße Richtung Witten zwischen Elsterstraße und Rampenstraße wurden bereits Mitte 2013 die ersten 400 Meter Rillenschienen verlegt. Verbaut wurden bis heute rund zehn Kilometer Schiene sowie zwölf Weichen, dazu kommen 172 Fahrleitungsmaste.

Herausforderungen
Die bisher größte Herausforderung war sicherlich der Einbau des sogenannten Masse-Feder-Systems vor dem Langendreer Markt unter der größten Kreuzung im Stadtteil ab Ende Juni 2015. Das System verhindert, dass sich beim Befahren des Gleisdreiecks durch die Straßenbahn die dabei entstehenden Erschütterungen durch den Untergrund auf die Wohnhäuser übertragen können. Deswegen wurden rund 1000m³ Material einschließlich der alten Fahrbahn und nichtragender Böden ausgeschachtet. Insgesamt wurden rund 800m³ Beton eingebaut und mit rund 110 Tonnen Bewehrungsstahl verstärkt.

Aber auch die Bergschadensicherungsmaßnahmen im Sommer 2013 in den Bereichen S-Bahnhof, Marktplatz sowie auf der Unterstraße waren sehr aufwendig. So liegt auf Höhe der Alten Bahnhofsstraße ein Schutzbunker aus dem Zweiten Weltkrieg und auf der Hauptstraße zwischen S-Bahnhof und Marktplatz befinden sich sechs alte Flötze unterschiedlicher Zechen.

Kostenlose Schnupperfahrten
Damit die Langendreerer Bürger die Straßenbahn und die neue Strecke bereits vor Beginn des Linienbetriebs der 302 am 7. Oktober 2017 für sich entdecken konnten, fanden für sie bereits am 5. und 6. Oktober kostenlose Schnupperfahrten zwischen den Haltestellen Mark 51°7 und Langendreer S statt. Trotz des nasskalten Wetters wurde das Angebot von vielen Bürgern angenommen, die die neue Mobilität für den Bochumer Osten direkt erproben wollten.

Verkürzte Reisezeiten / modernste Niederflurbahnen
Die neue Strecke ist ein Gewinn für den Bochumer Osten. Der Anschluss an den S-Bahnhof sowie an zahlreiche Buslinien ermöglicht nun ein problemloses Umsteigen und verkürzt Reisezeiten. Die gesamte Strecke ist zweigleisig und an den Ampeln hat die Straßenbahn Vorrang. Natürlich können Autofahrer die Bahn an einzelnen Stellen überholen. Insgesamt wurden so wenige Ampeln gebaut wie möglich, aber so viele wie nötig – auch im Sinne eines sicheren Schulwegs! Die Strecke ist barrierefrei ausgebaut, sodass dort eine der deutschlandweit modernsten Niederflurbahnen auf dem neuen Teilabschnitt der Linie 302 und später dann auch auf der gesamten Linie 310 eingesetzt werden kann. Die Variobahn ist komplett stufenlos und mit Klapprampen ausgerüstet. Das macht das Ein- und Aussteigen einfacher und schneller – auch mit Kinderwagen oder Rollstuhl. Der Ticketkauf ist beim Fahrer möglich. Außerdem sind alle Variobahnen klimatisiert und mit Videoschutzanlagen ausgestattet.

Neue barrierefreie Haltestellen
Die Haltestellen wurden der Türhöhe der modernen Straßenbahnen angepasst, sodass ein niveaugleicher Ein- und Ausstieg möglich ist. Der neue Fahrgastunterstand „Xenon“ zeichnet sich durch eine zeitgemäße Konstruktion pulverbeschichteter Aluminiumprofile mit großen Glasflächen aus und bietet eine hohe Aufenthaltsqualität. Die Unterstände, die zusammen mit der Ströer Deutsche Städte Medien GmbH aufgestellt wurden, sind mit einer modernen Beleuchtungsanlage und Sitzgelegenheiten ausgestattet. Zur besseren Orientierung wird es an den meisten Haltestellen eine digitale Informationstafel geben.

Neue Fahrpläne
Mit der Eröffnung des neuen Teilstücks wird der Linienverlauf der Busse 377 und 372 angepasst, mit dem Ende der Maßnahmen Ende 2019 wird dann das gesamte Busnetz im Stadtteil optimiert. Alle Fahrplaninformationen der veränderten Buslinien sind in Mutti, der BOGESTRA-App, sowie in der Elektronischen Fahrplanauskunft (EFA) für individuelle Fahrplananfragen verfügbar. Für die Linie 302 stehen sie voraussichtlich wieder im Laufe des Montags, 9. Oktober 2017, zur Verfügung. Die Linienfahrpläne stehen auf www.bogestra.de zum Download bereit.

Unterwerk
Auf dem Marktplatz wurde mit Beginn der Bauarbeiten das alte Toilettenhäuschen/ Imbissbude entfernt und im Mai 2016 ein neues Unterwerk sowie neue sanitäre Anlagen gebaut. Das Unterwerk versorgt nun die Straßenbahnen mit Strom. Das rund 90m² große Gebäude ist mit rund 130 farblich gestalteten Glasplatten verziert worden, darunter auf einer Gesamtfläche von mehr als 11 x 2,50 Metern ein Kunstwerk des lokalen Künstlers Klaus Wegmann. Das Bild selbst wurde übrigens vor rund zwölf Monaten im Rahmen einer lokalen Bürgerbefragung ausgewählt.

Leitungen
Im Rahmen der Maßnahme für den Bau der Nordabschnittes hat die Stadtwerke Bochum Netz GmbH ca. 2.300 m Gasleitung, ca. 2.500 m Wasserleitung, ca. 2.500 m Mittelspannungs-Kabel, ca. 4.800 m Niederspannungs-Kabel, ca. 1.200 m Fernmeldekabel und ca. 5.400 m PVC-Rohre gelegt. Außerdem wurden zahlreiche Hausanschlüsse für Gas/Wasser/Strom (ca. 255 Stück) erneuert bzw. auf die neuen Leitungen umgebunden. Die alte Beleuchtungsanlage wurde demontiert und durch eine neue mit rund 145 Leuchten ersetzt. Der größte Teil wurde an den Masten der BOGESTRA befestigt. Dafür wurden ca. 5.700 m PVC-Rohr gelegt und anschließend ca. 6.000 m Beleuchtungskabel eingezogen.

 

Quelle: Newstix

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