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Handy-, Online- und eTicket wachsen zusammen

Das eigene Handy (Handy-Ticket) oder vom Kunden selbst gedruckte Papiertickets (Online-Ticket) gewinnen zunehmend Bedeutung als neue Vertriebswege für ÖPNV-Tickets.

Ticketwelten wachsen zusammen. Foto: Fotolia

Beide Verfahren bieten den Vorteil, dass sie als „Brückentechnologie“ auf dem Weg zum elektronischen Ticketing sowohl wie ein Papierticket als auch elektronisch wie ein e-Ticket auf ihre Gültigkeit hin geprüft werden können.

In manchen Räumen in NRW ist das elektronische Ticketing bereits eingeführt, in anderen Räumen ist dieser Prozess in Vorbereitung. Gerade bei regionsübergreifenden Tickets stellt dies oft ein Problem dar, da elektronische Tickets nur dann eingesetzt werden können, wenn sie in allen Teilräumen prüfbar sind. Dieses Problem „umschiffen“ die Vertriebswege Online-Ticket und Handy-Ticket: In Räumen, in denen das e-Ticket und seine Prüfinfrastruktur ausgerollt ist, können die Tickets anhand des aufgebrachten 2D-Barcodes nach VDV-Standard elektronisch geprüft werden. Beispielsweise können die Barcodes durch die elektronischen Einstiegkontrollsysteme, wie sie im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr weit verbreitet sind, ausgelesen werden oder die Zugbegleiter können mit ihren Lesegeräten den Barcode elektronisch einlesen. In den anderen Räumen, in denen diese Infrastruktur noch nicht aufgebaut ist, erlauben die Sicherheitsmerkmale der Tickets eine Sichtprüfung vergleichbar Papiertickets. So wächst die Ticketing-Welt zwischen Handy-, Online- und eTicket immer weiter zusammen und neue Vertriebswege können auch in Räumen umgesetzt werden, die über noch keine eTicket-Infrastruktur verfügen.

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Online-Ticket

Beim Online-Ticket kauft der Kunde sein Ticket wie im e-Commerce üblich am heimischen PC über einen Webshop und bezahlt über die verbreiteten Zahlungswege im e-Commerce (z. B. Kreditkarte, Lastschrift, Micropayment-Dienste wie Paypal). Das Ticket wird als PDF-Dokument empfangen und muss auf einem handelsüblichen Drucker vom Kunden ausgedruckt werden. Online-Tickets werden bei folgenden Tarifen eingesetzt:

  • Um im NRW-Tarif einen flächendeckenden Vertrieb für RelationspreisTickets auch an Orten ohne Schienenanschluss zu ermöglichen, hat die NRW-Tariflandschaft das „OnlineTicket NRW” umgesetzt. Die PauschalpreisTickets des NRW-Tarifs (z. B. SchönerTagTicket NRW) werden über den Webshop www.ots-nrw.de vertrieben. In beiden Anwendungsfällen wird das Online-Ticket-Verfahren der DB auf Grundlage des 2D-Barcodes nach VDV-Standard eingesetzt.
  • Im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr bieten zahlreiche Verkehrsunternehmen einen TicketShop an.

HandyTicket

Beim HandyTicket werden für die verbreiteten Betriebssysteme für mobile Endgeräte (z. B. Android, iOS) eine Anwendung („App“) bereitgestellt, über die der Bestellprozess sowie die Anzeige des gekauften Tickets für Ticketprüfungen erfolgt. Mehrere Verbünde und städtische Verkehrsbetriebe aus NRW nehmen am Verfahren HandyTicket Deutschland teil. Auch die PauschalpreisTickets des NRW-Tarifs (z. B. SchönerTagTicket NRW) werden über diesen Vertriebsweg angeboten. Neben den Anwendungen kann das Verfahren auch ausschließlich über den Webbrowser des mobilen Endgeräts genutzt werden, wenn beispielsweise das mobile Endgerät ein anderes Betriebssystem aufweist, für das keine „App“ verfügbar ist. Eine weitere Variante des HandyTickets arbeitet mit einer SMS-Nachricht, die als Fahrtberechtigung dient. Dieser Ansatz ist aber nicht elektronisch prüfbar, da kein 2D-Barcode übertragen werden kann.

Die Stadtwerke Bonn setzen eine weitere Handy-Ticket-Lösung (Easy.go) ein. Die Vorteile von Handy- und Online-Ticket liegen auf der Hand: Der Kunde hat beim Handy-Ticket seinen Ticketautomaten in der Hosentasche, und man kann sich in aller Ruhe am heimischen PC das Ticket kaufen, ohne vor einem Ticketautomaten in Stress zu geraten. Ferner benötigt der Kunde für beide Verfahren kein besonderes „Trägermedium“: Über ein Handy oder den Zugang zu einem Computer mit Drucker verfügt nahezu jeder. Gerade das Online-Ticket kann ohne Medienbruch in einem Vorgang auch durch Neukunden einfach erworben werden, allerdings nur mit entsprechendem zeitlichem Vorlauf (nicht erst unterwegs „on-trip“). Der Kauf des HandyTickets bedingt die vorherige Registrierung über Internet, was stets einen Medienbruch darstellt, der die spontane Nutzung durch Erstkunden hemmt. Hintergrund für den Medienbruch sind fehlende Inkasso-Verfahren über die Mobilfunkrechnung oder das Prepaid-Guthaben der Telefonkarte in Deutschland wegen hoher Transaktionsgebühren wenig Verbreitung gefunden hat.

Die Nutzungszahlen beider Verfahren sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen, allerdings stellen sie verglichen mit der Anzahl verkaufter Papiertickets in den jeweiligen Räumen immer noch eine geringe Größe dar. Das mag unter anderem daran liegen, dass der Kunde zwar seinen Aufwand in der Auseinandersetzung mit den neuen Verfahren sieht, aber keinen preislichen Vorteil hierdurch genießt. Im Gegenteil fallen die (zwar mittlerweile eher vernachlässigbaren) Online-Kosten zusätzlich beim Kunden an.

Papiertickets mit Barcode

Der VRR plant, auch seine Papiertickets in naher Zukunft mit einem 2D-Barcode auszustatten, so dass dann alle Vertriebswege durch elektronische Verfahren geprüft werden können. Gleiches ist für die Tickets des NRW-Tarifs in der Umsetzung.

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