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Bahnhofspaten

In verschiedenen Regionen Nordrhein-Westfalens kümmern sich ehrenamtliche Bahnhofspaten um "ihre" Station - vor allem um kleinere Haltepunkte, die nicht ständig mit Personal besetzt sind.

Engagierte Bürger haben an vielen Stationen Patenschaften übernommen. Sie achten darauf, dass ihr Bahnhof sauber, funktionstüchtig und gepflegt bleibt. Die Paten informieren das Bahnhofsmanagement über Mängel wie fehlende Fahrpläne, starke Verschmutzungen oder Beschädigungen. Durch ihre Meldungen helfen sie, die Station in Ordnung zu halten.

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Ausgangslage

Von den gut 750 Personenverkehrsstationen (Bahnhöfe und Haltepunkte) im Bahnnetz Nordrhein-Westfalens ist der weitaus größte Teil nicht durch örtliches Personal des Bahnhofsbetreibers (zumeist DB Station & Service) besetzt, weil dies für den modernen Bahnbetrieb technisch nicht mehr erforderlich ist. Zwar wäre eine Besetzung aller Stationen während der Betriebszeiten zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität, der sozialen Kontrolle oder des Service wünschenswert – dies wird aber wegen der Kosten auch langfristig nicht erreichbar sein.

Die unbesetzten Haltepunkte werden regelmäßig durch mobile Reinigungs- und Reparaturteams der Bahnhofsbetreiber gewartet. In der Zwischenzeit auftretende Probleme wie Verunreinigungen, Graffiti oder durch Vandalismus zerstörte Fahrgastinformationsanlagen werden dabei vielfach erst Tage später durch das Unternehmen festgestellt.

Der Bahnhofspate ist auf ehrenamtlicher Basis tätig. Seine Aufgabe als regelmäßiger Nutzer der Verkehrsstation besteht im Wesentlichen darin, dass er/sie Besonderheiten (z. B. Verschmutzungen, Vandalismus), die bei der täglichen Bahnfahrt auffallen, an einen persönlichen Ansprechpartner beim Infrastrukturunternehmen per E-Mail oder Telefon meldet. Der Ansprechpartner kümmert sich darum, dass der Mangel zeitnah abgestellt wird.

Das Projekt „Bahnhofspaten“ nutzt eine Win-Win-Situation:

  • Der ehrenamtlich tätige Bahnhofspate kann seine Kenntnisse zum Bahnhofsumfeld, über die er/sie bereits durch die tägliche ÖV-Nutzung verfügt, gezielt und sinnvoll einbringen. Die Tätigkeit als Bahnhofspate nutzt bei geringem zeitlichem Aufwand vielen Kunden – auch der Bahnhofspate selbst profitiert so von einem ansprechenden Stationsumfeld, das durch seine Tätigkeit erreicht wird.
  • Durch die Meldungen der Bahnhofspaten können die Betreiber schneller auf Vorkommnisse reagieren. Die beschleunigte Reaktion dämmt zudem den so genannten „Broken-Window-Effekt“ ein („wo eh schon etwas kaputt ist, kann man noch mehr kaputt machen“), was die Kosten für den Erhalt der Stationen reduziert.
  • Ansprechende Bahnhofsumfelder dienen als Visitenkarte für den ÖPNV und helfen, die Attraktivität des ÖPNV zu steigern und seine Akzeptanz zu erhöhen. Hierdurch besitzt das Projekt einen großen gesamtgesellschaftlichen Nutzen.

Beim Projekt Bahnhofspaten werden keine Aufgaben der Betreiber von Bahnstationen auf Ehrenamtliche übertragen. Die Betreiber sparen kein Personal ein, sondern das eingesetzte Personal kann durch seine gezielten Reinigungs- und Instandhaltungsarbeiten den Kunden eine höhere Aufenthaltsqualität bieten. Da die Meldung der „Vorkommnisse“ durch ÖPNV-Kunden erfolgt, wird ferner die unmittelbare, ggf. sehr viel kritischere Kundenwahrnehmung an das Unternehmen übermittelt.

Akteure

Das Projekt Bahnhofspaten ist eine Gemeinschaftsinitiative der Deutschen Bahn Station&Service und des Verkehrsverbunds Rhein- Ruhr (VRR) in Zusammenarbeit mit dem Landesverkehrsministerium. Im Jahr 2000 wurde an der Station "Recklinghausen Süd" die erste Bahnhofspatenschaft in NRW als Pilotprojekt eingerichtet. Das Pilotprojekt diente der Erprobung des Konzepts und wurde seinerzeit durch das Landesverkehrsministerium gefördert.

Zurzeit kümmern sich etwa 60 Bahnhofspaten um die in das Projekt einbezogenen ca. 75 Bahnhöfe in Nordrhein-Westfalen. Pro Bahnhof gibt es teilweise bis zu 3 Paten, die sich in ihrer Tätigkeit ergänzen. Manche Bahnhofspaten betreuen auch mehrere Bahnhöfe. Die betreuten Bahnhöfe befinden sich in ganz Nordrhein-Westfalen (z B. Kleve, Schieder), wobei ein Schwerpunkt im Ballungsraum Rhein-Ruhr liegt.

Als Paten engagieren sich zahlreiche Berufspendler oder auch Studierende auf dem Weg zur Uni. Die Bahnhofspaten legen zusammen mit dem zuständigen Bahnhofsmanagement individuell in einem Gespräch vor Ort fest, welche Beobachtungsschwerpunkte sie setzen und wie intensiv sie sich um „ihren“ Bahnhof kümmern möchten bzw. können.

Zur Information potenzieller Bahnhofspaten hat der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr einen Flyer (Download) veröffentlicht. Die von einem Bahnhofspaten aufgebaute private Webseite bahnhofspate.de informiert ebenfalls über das Projekt.

Probleme und Aufgaben

Das Projekt Bahnhofspaten hat sich auf Grund der Win-Win-Situation bewährt und ist in den vergangenen Jahren um zusätzliche Bahnhöfe erweitert worden. Sofern sich vor Ort ehrenamtliche Bahnhofspaten finden, können weitere Bahnhöfe einbezogen werden.

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