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Wandern für die Gesundheit

Wandern macht nicht nur Spaß, eine Tour kann sogar die Gesundheit verbessern. Prof. Dr. Ingo Froboese, Gesundheitsexperte und Sportwissenschaftler an der Deutschen Sporthochschule Köln, erzählt im Interview, welche positiven Auswirkungen Wandern auf Körper und Seele hat.

Wie verbessert sich die körperliche Gesundheit durch das Wandern?

So wie jede körperliche Aktivität hat auch Wandern Auswirkungen, die den gesamten Mechanismus beeinflussen. Da ist zum einen das Herz-Kreislaufsystem, das durch die Bewegung besser arbeitet: Die Sauerstoffaufnahme steigt, der Herzmuskel wird stärker, der Blutdruck sinkt. Beim Wandern werden zudem Muskeln, Gelenke, Knorpel und Knochen stimuliert, auch das Immunsystem verbessert sich. Und an der frischen Luft verstärken thermische Reize die positiven Effekte noch.

Und was passiert auf der psychischen Ebene?

Ich laufe beim Wandern quasi meinen Sorgen davon. Die schöne Umgebung bietet so viele Eindrücke, dass negative Gedanken nicht lange im Kopf bleiben. Außerdem ist man meistens mit mehreren Leuten unterwegs, die für Spaß und Ablenkung sorgen. Und noch etwas Positives geschieht beim Wandern: Schon nach kurzer Zeit werden Endorphine ausgeschüttet, sogenannte Glückshormone, die garantiert für gute Laune sorgen.

Foto: Ingo Froboese

Was muss beim Wandern generell beachtet werden, damit diese vorteilhaften Effekte auf den Körper tatsächlich erzielt werden können?

Auf jeden Fall darf der Körper nicht überfordert werden. Dafür ist es wichtig, vorher die Wanderung gut zu planen. Denn wenn die Streckenlänge oder das Gelände falsch eingeschätzt werden, kann ganz schnell Erschöpfung auftreten, obwohl die Tour noch lange nicht zu Ende ist. Am besten sollte darum die erste Hälfte des Weges anstrengender sein als die zweite. Ein gutes Maß für die Gehgeschwindigkeit erkennt man daran, dass man noch gut ein Gespräch führen kann, ohne ganz außer Atem zu geraten. Sehr wichtig ist auch eine regelmäßige Flüssigkeitszufuhr, genau genommen drei bis vier Liter pro Tag, damit der Wasserhaushalt ausgeglichen bleibt.

Bei welchen konkreten Erkrankungen gilt Wandern als gute Therapie?

Wandern ist für alle Personen mit Bluthochdruck geeignet, auch bei Herz-Kreislauferkrankungen hilft Bewegung in der Natur. Menschen mit Gelenkproblemen sollten bergab vorsichtiger sein und Stöcke zur Hilfe nehmen, denn an einem Gefälle ist die Belastung der Gelenke besonders hoch. Es spricht auch nichts dagegen, bei einer leichten Erkältung zu wandern. Dann sollte die Route allerdings eher durchs Flachland gehen, sodass der Puls nicht zu hoch steigt.

Welche Tipps können Sie älteren Wanderern geben?

Wer schon in seiner Jugend wandern war und nun einige Jahre später wieder auf Tour gehen will, muss berücksichtigen, dass sich die körperlichen Fähigkeiten verändert haben. Man sollte jetzt vorsichtiger mit dem Körper umgehen, mehr Pausen einlegen und eine weniger anspruchsvolle Strecke wählen. Zur Sicherheit sollten auf dem Weg Stationen liegen, an denen die Wanderung abgebrochen oder zur Not Hilfe gerufen werden kann.

Zusammenfassend: Was macht Wandern mit Blick auf die Gesundheit besser als andere Sportarten?

Jeder, der gehen kann, kann wandern. Darum bleibt dieses moderate, doch gleichzeitig auch sehr effektive Training fast niemandem verwehrt. Und beim Wandern sorgen unzählige Faktoren dafür, Körper und Geist zu fordern und zu fördern. Das riesige Naturerlebnis sowie die soziale und emotionale Komponente machen Wandern so schön.

Auch Manuel Andrack stellt im aktuellen Wanderfolder Fakten über die Wandergesundheit vor. Schauen Sie doch gleich auf Seite 5.

Zur Person: Prof. Dr. Ingo Froboese ist Sportwissenschaftler und Hochschulprofessor an der Deutschen Sporthochschule Köln. Der Gesundheitsexperte hat bereits zahlreiche Bücher veröffentlicht, etwa über das richtige Training für den Rücken oder über Diäten ohne Jojo-Effekt. In seiner Freizeit geht er selber gerne wandern. www.ingo-froboese.de.

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